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Beseelt vom Sieg gegen Malaga: Marco Reus und seine Dortmunder Kollegen.
Beseelt vom Sieg gegen Malaga: Marco Reus und seine Dortmunder Kollegen.(Foto: REUTERS)

FC Bayern Favorit, aber der BVB triumphiert: Warum Dortmund den Henkelpott holt

Von Christoph Wolf und Stefan Giannakoulis

Klar spricht alles für den FC Bayern in diesem Finale der Champions League. Wer soll die besten Münchner der Geschichte schlagen? Der BVB natürlich. Auch wenn Paul Breitner tönt: "Dortmund hat keine Chance."

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Im Grunde ist alles gesagt. Mehr als genug. Nach Wochen der Hysterie, der Prognosen, der Expertenmeinungen, der Verletzungsmeldungen und der Absichtsbekundungen erscheint es nahezu unwirklich, dass sie tatsächlich auch Fußball spielen. Also elf Mann in jedem Team, ein Schiedsri chter - und der Gewinner bekommt einen Pokal. Am Samstag, um 20.45 Uhr, pfeift der Italiener Nicola Rizzoli das Endspiel der Champions League in Londons Wembleystadion an. Borussia Dortmund gegen den FC Bayern München, Überraschungsfinalist gegen Europas neue Übermannschaft, Fußballromantik gegen Geldmaschine.

Dortmund - Bayern, Samstag 20.45 Uhr

Borussia Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Bender, Gündogan - Blaszczykowski, Reus, Großkreutz - Lewandowski
FC Bayern München: Neuer - Lahm, Boateng, Dante, Alaba - Martínez, Schweinsteiger - Robben, Müller, Ribéry - Mandzukic
Schiedsrichter: Nicola Rizzoli (Italien)

Und im Grunde hat Béla Réthy recht. Er kommentiert diese Partie für das ZDF und hat in einem Interview mit der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" gesagt: "Es ist doch über beide Mannschaften alles bekannt. Die Zuschauer und Fans wissen alles, ich weiß alles - das Einzige, was offen ist, ist das Endergebnis." Oder? Es könnte so schön sein, so aufregend, zwei deutsche Teams im englischen Nationalheiligtum, die beiden besten im Wettbewerb, mit aufregendem Fußball. Es könnte, wäre da nicht die Tatsache, dass auf dem Papier erstaunlich wenig für ein aufregendes Finale spricht. Die Kräfteverhältnisse sind so klar zugunsten der Bayern verteilt, die Münchner Favoritenrolle so erdrückend, dass Bundestrainer Joachim Löw dem Finalbesuch eine Nationalmannschaftsreise ohne Nationalspieler in die USA vorzieht.

Es ist immer noch Fußball. Alles ist möglich.

Die Fans der Bayern stört das nicht, sie schwelgen in Vorfreude auf den fünften Triumph in der Königsklasse. Sie wissen schließlich auch, dass in den vergangenen sechs Jahren immer der FC Barcelona die Champions League gewonnen hat - oder die Mannschaft, die Barça rausgeworfen hat. Der BVB-Anhang ist davon kaum erschüttert, ihn hält der gegen Malaga auferstandene Glaube an Wunder aufrecht.

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Nur neutrale Fußballfreunde tun sich schwer damit, das Endspiel als so offen zu betrachten, wie es beide Vereine aus falscher Bescheidenheit (FC Bayern) oder au s Trotz (Borussia Dortmund) beteuern. Und die Wettanbieter, nicht dafür bekannt, Geld verschenken zu wol len, sind sich sicher: Natürlich triumphieren die Bayern. Bwin notiert einen Sieg der Münchner mit einer Quote von 1,67. Sollte Dortmund gewinnen, erhält der geneigte Zocker das 4,33-Fache des Einsatzes zurück.

Weil aber die Mehrheit der deutschen Bevölkerung nicht nur BVB-Coach Jürgen Klopp lieber mag als Bayern-Trainer Jupp Heynckes, sondern auch lieber den Außenseiter aus Dortmund siegen sehen möchte, wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov vor dem Endspiel ergab, hier einige Fakten, die für die Borussia sprechen. Die Parallelen zwischen 1997, als der BVB die Champions League gewann, und 2013 sind unübersehbar. Und wer wenig auf Statistik gibt, dem sei gesagt: Sie spielen wirklich. 90, womöglich 120 Minuten. Vielleicht schießen sie auch Elfmeter. Es ist immer noch Fußball. Alles ist drin. Auch wenn Paul Breitner, offiziell Chefscout und Berater des Rekordmeisters, sagt: "Wenn unsere Mannschaft Normalform erreicht, hat Dortmund keine Chance."

Elf Fakten, die für Borussia Dortmund sprechen

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1. Finalversager. Während die Bayern die dritte Finalpleite in vier Jahren und damit den Verlierer-Stempel fürchten, kommt der BVB mit breiter Brust nach Wembley. Die Dortmunder sind in Champions-League-Endspielen noch ungeschlagen.

2. Gesetz der Serie. Noch besser für die Dortmunder ist: Der einzigen Finalteilnahme 1997, die im bisher einzigen Sieg mündete, gingen zwei nationale Meisterschaften voraus.

3. Titelverteilung. Wo wir gerade im Jahr 1997 sind: Erinnern Sie sich noch, wie damals die Titel verteilt waren? Nicht so richtig? Wir helfen gerne: Die Champions League holte damals Dortmund, wissen Sie ja. Meister wurde der FC Bayern. Und der DFB-Pokal ging an - den VfB Stuttgart. Der spielt am 1. Juni in Berlin das Endspiel gegen die Bayern.

4. Peinliche Heimpleite. Die Generalprobe für das Finale gegen Topfavorit Juventus Turin verpatzte der BVB 1997. Im eigenen Stadion kassierte Dortmund eine 1:2-Niederlage. Wie dieses Mal gegen die TSG Hoffenheim. Die peinliche Heimpleite führte bekanntlich zum direkten Abstieg von Fortuna Düsseldorf. Was den BVB viele Sympathien kostete, war tatsächlich ein Dienst am Finalkarma. Denn zum bis dahin letzten Mal war die Fortuna, Sie ahnen es, 1997 aus der Bundesliga abgestiegen.

5. Das Leverkusen-Omen. Ulf Kirsten durfte sich 1997 als Torschützenkönig der Bundesliga feiern lassen, 22 Treffer erzielte er für Bayer Leverkusen. Auch in diesem Jahr spielt der treffsicherste Stürmer für die Werkself: Stefan Kießling, 25 Tore.

6. Die Bilanz in der Bundesliga. Abgesehen davon, dass der FC Bayern seit sechs Partien in Deutschlands höchster Spielklasse auf einen Sieg gegen Borussia Dortmund wartet, endeten in der gerade beendeten Saison beide Begegnungen unentschieden. Wie 1997.

7. Europas Meister. Juventus Turin hat in dieser Saison in Italien den Titel gewonnen. Manchester United in England. Der FC Porto in Portugal. Und Galatasaray aus Istanbul in der Türkei. Das gab's schon einmal. 1997.

8. Sir Alex. Bevor er im Sommer nach 26 Jahren auf der Trainerbank in Rente geht, feierte Alex Ferguson nicht nur in der Premier League den Titelgewinn mit ManUnited. Die Liga zeichnete die Legende auch als Trainer des Jahres aus. Wie 1997.

9. Die Sache mit dem Heimrecht. Von den bisher sechs Finalspielen in der Champions League oder im Landesmeisterpokal in Wembley gewann sechs Mal die Heimmannschaft. Die heißt am Samstag Borussia Dortmund, das hat das Los entschieden. In den vergangenen fünf Jahren gab es nur zwei Heimmannschaften, die den Champions-League-Pokal nicht gewannen - jeweils Bayern München, 2010 und 2012. Für den gesamten Wettbewerb steht die Bilanz bei 42 Heimsiegen bei 57 Endspielen. Das sind stolze 73,68 Prozent. Oder knapp drei Viertel. Auch hier klarer Vorteil für den BVB.

10. Deutschlands Bester. Auch hier gibt es eine frappierende Parallele. Als der BVB 1997 die Königsklasse gewann, war er mit dem Fußballer des Jahres in seinen Reihen in die Saison gestartet: Matthias Sammer. Der ist inzwischen Sportvorstand beim FC Bayern. Für die Borussia aber spielt der Fußballer des Jahres 2012: Marco Reus. Ein Mann, der auch auf dem Rasen entscheidende Akzente setzen kann.

11. Götze fehlt, juchu! Der Ausfall von Mario Götze im Champions-League-Finale ist die ultimative Hiobsbotschaft. Borussia Dortmund kommt sein Dribbelkönig abhanden, der Presse jede Menge Herzschmerz-Geschichten rund um den Bald-Bayern, beiden Fanlagern ein potenzieller Buhmann, dem Bald-Bayern sein Abschiedsspiel auf der ganz großen Fußballbühne Wembleystadion – und dem FC Bayern ein titelträchtiger Dreiklang. Lothar Matthäus, Dante, Götze - so hätte es später in allen Chroniken gestanden, denn natürlich wäre es beim "German Endspiel" in Wembley zum Elfmeterschießen gekommen, natürlich hätte Götze geschossen, und natürlich wie seine prominenten Vorgänger den Ball überall hingesetzt, nur nicht ins Bayern-Tor. So aber spricht alles für Borussia Dortmund.

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Quelle: n-tv.de

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