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Donnerstag, 03. November 2016

Der BVB steht im Achtelfinale: Was hat Aubameyang wohl angestellt?

Von Felix Meininghaus, Dortmund

Der BVB erreicht gegen Sporting Lissabon vorzeitig die K.o.-Phase der Königsklasse - doch im Revier wird einzig und allein darüber spekuliert, warum der Stürmerstar aus Gabun kurz vor Spielbeginn auf die Tribüne verbannt wurde.

Das Champions-League-Spiel von Borussia Dortmund gegen Sporting Lissabon war noch nicht angepfiffen, als das Foto die Runde machte, wie Pierre-Emerick Aubameyang im grauem Mantel und mit Schlapphut im Stil von Al Capone auf der Tribüne des Dortmunder Stadions Platz nahm. Dortmunds Stürmerstar sollte eigentlich wie sonst in schwarz-gelb über den Rasen flitzen, sein Trikot hatte am frühen Abend schon in der Kabine gehangen.

Doch eine Stunde vor Anpfiff wurde bekannt, dass Trainer Thomas Tuchel den europaweit umworbenen Torjäger kurzfristig aus dem Kader gestrichen hatte. Die offizielle Losung gab Hans-Joachim Watzke vor Spielbeginn zum Besten, sie sollte danach noch dutzendfach zu vernehmen sein. "Interne Gründe", verkündete Dortmunds Geschäftsführer nebulös. Und weiter: "Das hat der Trainer so entschieden, und das geht absolut in Ordnung. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen."

"Ihr könnt spekulieren, wie ihr wollt"

Sämtlichen Spekulationen waren Tür und Tor geöffnet, sie reichten von disziplinarischen Sanktionen bis hin zu Wechselabsichten. Auch Thomas Tuchel brachte kein Licht ins Dunkel und vermeldete lediglich, die Verbannung sei eine "nötige Maßnahme" gewesen. Sie sei kurzzeitig und gelte lediglich für diesen Abend. Auch nach dem Abpfiff ging die fieberhafte Ursachenforschung weiter, doch es gab keine undichte Stelle. Der gesamte Dortmunder Kader zeigte sich bestens gebrieft, wie ein Mantra trugen die Profis die beiden Worte "interne Gründe" vor sich her: "Wir wissen über die Sache Bescheid", verriet Julian Weigl, "aber das hatte keinen Einfluss auf die Vorbereitung auf das Spiel."

Der Ersatzmann ist zur Stelle: Adrian Ramos erzielte das Dortmunder Tor.
Der Ersatzmann ist zur Stelle: Adrian Ramos erzielte das Dortmunder Tor.(Foto: AP)

Am Ende erklärte Sportdirektor Michael Zorc die Debatte für erledigt: "Interne Gründe, so sagt es schon das Wort, sollen intern bleiben." Und zu den Journalisten gewandt: "Eurer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, Ihr könnt spekulieren wie Ihr wollt." Das tat dann allen voran die "Bild"-Zeitung. Erst wollte das Blatt erfahren haben, Aubameyang habe während einer Mannschaftssitzung telefoniert. Später hieß es dann, er sei am Montag unerlaubterweise "mit Freunden in einem Privat-Jet nach Mailand gedüst".  Aufgeflogen "war der Trip, weil ein Freund ein Foto bei Instagram postete". Zudem soll er am Dienstag nicht pünklich um 10 Uhr beim Treffpunkt vor dem Spiel erschienen sein, er sei "erst zehn Minuten später" aufgetaucht. Aber auch mit der "Bild"-Zeitung wollte Aubameyang nicht sprechen.

Die 90 Minuten gerieten bei solchen Nebengeräuschen zur Marginalie, und das war eigentlich schade. Dortmund spielte zwar nicht schön, aber der Vizemeister konnte beim knappen 1:0 gegen den spielstarken Widersacher aus der portugiesischen Hauptstadt einen Sieg der Kategorie "besonders wertvoll" verbuchen. Das Tor des Abends gelang Aubameyangs Vertreter Adrian Ramos, der den BVB bereits in der Anfangsphase mit dem Kopf auf die Siegerstraße brachte. Während der Revierklub in der Liga auf der Stelle tritt, hat er in der Königsklasse den Sprung ins Achtelfinale mit Siebenmeilenstiefeln bewerkstelligt. Bereits nach vier Vorrundenspielen ist das erste Saisonspiel abgehakt. In den ausstehenden Begegnungen gegen Warschau und bei Real Madrid ist lediglich noch die Frage zu beantworten, ob es als Gruppensieger oder als Zweiter in die K.o.-Phase geht.

"Mussten über den roten Punkt hinausgehen"

Der BVB agierte auch gegen Sporting nicht wirklich überzeugend, die jugendliche Unbekümmertheit, das Mitreißende, mit dem das mit so viel Talent gesegnete Dortmunder Ensemble zu Saisonbeginn begeisterte, ist im Herbst abhanden gekommen. Was der Borussia an spielerischer Leichtigkeit abgeht, muss die Mannschaft derzeit mit Mentalität kompensieren. Dieses Spiel habe "sehr viel Kraft gekostet", berichtete Julian Weigl, "wir mussten am Ende über den roten Punkt hinausgehen". Das beurteilt sein Chef genauso: "Wir haben kein Highlight-Fußball gespielt", sagte Zorc: "Wir waren effektiv, aber wir haben immer wieder Probleme gehabt, im eigenen Ballbesitz das Spiel zu entwickeln."

Auch Mittelfeldspieler Gonzalo Castro sah ein "zähes Spiel". Es rumpelte und knirschte an manchen Ecken, doch am Ende zählte, dass der Zweck die Mittel geheiligt hatte: "Wir sind weiter", gab Castro zu Protokoll, "alles andere ist Nebensache." Was auch immer bis Weihnachten geschieht, Borussia Dortmund wird in der Königsklasse überwintern und kann mit weiteren Millioneneinnahmen planen. Nun hoffen sie beim börsenorientierten Unternehmen, dass sich die Hausse auf den nationalen Wettbewerb übertragen lässt.

Tuchel glaubt fest daran, nach vier sieglosen Spielen in Folge in der Bundesliga den Turnaround zu schaffen: "Solch ein Erfolgserlebnis schwarz auf weiß zu haben, hilft wie nichts anderes." Auch Mario Götze hält es für ein "gutes Zeichen, die Dinge in einer starken Gruppe so frühzeitig zu regeln". Matthias Ginter richtete den Blick bereits nach vorn, wenn es zum sieglosen Tabellenletzten nach Hamburg geht, gegen den der BVB in den letzten Jahren regelmäßig schlecht aussah. Beim Bundesliga-Dino gelte es "richtig gegenzuhalten und zur Not auch mal auszuteilen", sagte der Verteidiger. Immerhin dürfen die Dortmunder nach Lage der Dinge in der Hansestadt wieder auf ihren Stürmer Nummer eins bauen. Zumindest stellte Sportdirektor Zorc das in Aussicht: "Auba wird am Samstag wieder dabei sein."

Quelle: n-tv.de

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