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Noch jubelt Timo Werner (l.), nach dem Spiel zeigt er sich dann bedröppelt ob seiner Schwalbe.
Noch jubelt Timo Werner (l.), nach dem Spiel zeigt er sich dann bedröppelt ob seiner Schwalbe.(Foto: picture alliance / Jan Woitas/dp)
Sonntag, 04. Dezember 2016

Red Bull verleiht Flügel: Werner verliert, RB Leipzig bleibt spitze

Von Stefan Giannakoulis, Leipzig

Der zehnte Sieg der Rasenballsportler in der Fußball-Bundesliga ist nicht unverdient. Doch Timo Werner tut sich mit seiner Schwalbe keinen Gefallen - und fühlt sich nicht gut. Den Schalkern ist das ein schwacher Trost.

Wie ein Sieger sah Timo Werner nicht aus. Die orangefarbenen Fußballschuhe in der Hand stand er nach dem Spiel in der Mixed Zone und versuchte, den Journalisten zu erklären, wie das war mit dem Elfmeter, von dem hinterher Freunde wie Gegner sagten, dass er keiner hätte sein dürfen. Und warum er getan hatte, was er getan hatte. Und vor allem: Warum er nicht das getan hatte, was das Beste gewesen wäre. Er schien es selbst nicht zu wissen, der Angreifer der Leipziger. Er sagte: "Ich bin kein Lügner." Glücklich sah er dabei nicht aus.

Kann die Entscheidung des Schiedsrichters nicht fassen: Schalke-Keeper Fährmann
Kann die Entscheidung des Schiedsrichters nicht fassen: Schalke-Keeper Fährmann(Foto: picture alliance / Jan Woitas/dp)

Für die Schalker war das ein schwacher Trost. Nach sieben Spielen ohne Niederlage haben die Gelsenkirchener wieder ein Spiel in der Fußball-Bundesliga verloren. Und RB Leipzig hat diese sehr ordentliche und unterhaltsame Partie mit 2:1 (1:1) gewonnen - weil eben jener Werner nach zwei Minuten einen Elfmeter verwandelte, den er sich selbst ergaunert hatte und von dem Leipzigs Trainer Ralph Hasenhüttl sagte: "Das war keiner. Das ist das einzige, was mir an diesem Topspiel nicht gefallen hat, dass wir das erste Tor auf diese Art gemacht haben." Und weil Schalkes Sead Kolasinac zwar nach einer halben Stunde egalisierte, dann aber  zwei Minuten nach der Pause den Ball ins eigene Tor köpfte. Damit bleibt RB auch nach 13 Spieltagen ungeschlagen an der Spitze - vor dem FC Bayern, der mit dem 3:1 in Mainz am Freitagabend zumindest den Abstand von drei Punkten nicht hat größer werden lassen.

Die Schalker und ihr Trainer Markus Weinzierl aber, mit fünf Niederlagen gestartet, haben nun insgesamt sechs Mal verloren - gegen Klubs, die vor diesem Spieltag auf den Plätzen eins, zwei, drei, vier, fünf und sechs der Tabelle standen. Daraus zu schließen, dass die guten Mannschaften der Liga zu gut für die Gelsenkirchener sind, wäre allerdings falsch. Dafür war die Niederlage zu unglücklich, dafür haben sie sich an diesem eisigen Samstagabend vor 42.558 Zuschauern im wieder ausverkauften Zentralstadion zu gut verkauft - auch wenn Kapitän Benedikt Höwedes einräumte, der Gegner sei "vor allem in der zweiten Halbzeit die bessere Mannschaft" gewesen, häufig einen Schritt schneller. "Wir konnten nicht alles verteidigen, was da auf uns zugerollt kam. Vielleicht hat RB einfach den letzten Biss gehabt, den wir gerne gehabt hätten." Es sagte das unaufgeregt, ruhig, wie es seine Art ist. Nur eins sei ungerecht: "Es ist bitter, dass eine so krasse Fehlentscheidung das Spiel entscheidet."

"Natürlich fühle ich mich schlecht"

Und damit sind wir wieder bei Timo Werner, 20 Jahre alt, der Hauptperson des Spiels. Er hatte nach 19 Sekunden die Partie mit der schnellsten Schwalbe der Saison eröffnet und nach wütenden Protesten der Schalker anderthalb Minuten später relativ unverfroren den Elfmeter verwandelt, den Schiedsrichter Bastian Dankert ihn zugesprochen hatte. Dass sein achter Treffer in dieser Spielzeit ein Geschenk war, schien ihn dabei nicht gestört zu haben. Er ließ sich ausgiebig von den Fans und seinen Kollegen feiern. Doch es war so: Schalkes Torhüter Ralf Fährmann hatte ihn nicht berührt, Werner fiel dennoch - Red Bull verleiht offenbar Flügel, ganz so, wie es die Bandenwerbung versprach. Die feine Art war das nicht.

Und das wusste Timo Werner. So stand er hinterher in seinen Strümpfen da und sagte: "Natürlich fühle ich mich ein bisschen schlecht. Es war nicht mein Vorhaben, mit einer Schwalbe einen Elfmeter zu schinden." Aber was war es dann? Das konnte oder wollte er letztlich nicht zur Gänze erklären: "Das war kein Foul. Ich will jetzt aber auch nicht sagen, dass es eine Schwalbe war." Es sei so gewesen, dass Schalkes Naldo ihn vorher "ganz klar" berührt habe. "Ich merke, wie Naldo mich fast umreißt." Nun, der Innenverteidiger hat ihn, als er mit dem Ball am Fuß in den Strafraum eindrang, kurz am Trikot festgehalten, ihn dann aber flugs wieder losgelassen. Timo Werner rannte weiter, lupfte den Ball über Fährmann hinweg - und am Tor vorbei. Erst, als er das sah, ließ er sich fallen.

"Ich habe zu Fährmann gesagt, dass es kein Elfmeter war", stellte Werner klar. Der Schalker bestätigte das: "Da muss man ihn loben für seine Fairness." Allerdings, sagte Fährmann, hätte der Schiedsrichter dann anders handeln müssen. Doch offenbar hatte Dankert das gar nicht mitbekommen. Dem Bezahlsender Sky sagte er: "Es hat kein Gespräch von Werner und mir gegeben. Wir standen zusammen, aber da kam nichts." Der Spieler bestätigte das in der Mixed Zone: "Der Schiedsrichter war kurz da, es gab aber kein direktes Gespräch." Zudem räumte Werner ein: "Ich habe es ihm vielleicht nicht deutlich genug gesagt. Es war aber auch brutal laut im Stadion." Ja, das war es. Deshalb wäre es keine schlechte Idee gewesen, er hätte dem Schiedsrichter klar und deutlich gesagt: "Herr Dankert, das war kein Elfmeter." Diese Chance aber hat er verpasst. Und so wirkte der Sieger wie ein Verlierer.

Quelle: n-tv.de

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