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Horst Hrubesch steht mit den deutschen U21-Fußballern vor seinem letzten EM-Qualifikationsspiel.
Horst Hrubesch steht mit den deutschen U21-Fußballern vor seinem letzten EM-Qualifikationsspiel.(Foto: imago/foto2press)

Hrubesch vor Abschiedsspiel mit U21: "Wir hatten schon immer Topspieler"

Mit einem Sieg gegen Russland will das deutsche U21-Team die Qualifikation für die EM 2017 perfekt machen - und Horst Hrubesch einen würdigen Abschied bereiten. Im Interview mit n-tv.de spricht der Trainer über die aktuelle Lage des DFB-Nachwuchses.

Mit einem Sieg gegen Russland will die deutsche U21-Fußball-Nationalmannschaft die Qualifikation für die Europameisterschaft 2017 perfekt machen - und Trainer Horst Hrubesch einen würdigen Abschied bereiten. Im Interview mit n-tv.de spricht der scheidende Coach ausführlich über die aktuelle Lage des DFB-Nachwuchses.

n-tv: Herr Hrubesch, welche Erkenntnisse konnten Sie aus dem Färöer-Spiel gewinnen?

Hrubesch: Es war ein Pflichtsieg. Trotz der langen Pause - wir haben fast viereinhalb Monate nicht zusammen trainiert - und einiger Ausfälle haben wir an für sich schon wieder flüssig gespielt. Was wir uns ankreiden müssen, dass wir es nicht schon in der ersten Halbzeit entschieden haben. Auf der anderen Seite ist die Mannschaft auch nach dem 1:1 nicht nervös geworden und hat es ruhig runtergespielt. In der zweiten Halbzeit hat man dann auch gesehen, welche Qualität in dieser Truppe steckt. Dem einen oder anderen hat aufgrund hoher Spielanteile im Verein ein wenig die Frische gefehlt. Umso bemerkenswerter war es dann, wie die Jungs in der zweiten Halbzeit gespielt haben.

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Was muss gegen Russland besser werden?

Wir müssen kompakter stehen und unsere Chancenauswertung verbessern. Nutzt man frühzeitig seine Chancen, wird alles einfach und dann haben die Jungs auch mehr Spaß am Spiel.

Russland hat erst kürzlich den Trainer gewechselt. Was ist das für eine Mannschaft? Was erwartet Ihre Jungs in Rostow am Don, immerhin auch ein ungewöhnliches Terrain für so ein Spiel?

Stadion ist Stadion. Wo das Spiel stattfindet, spielt keine Rolle. Die Russen haben technisch gut geschulte, laufstarke Fußballer, die gut organisiert sind. Aber sie sind nicht eingespielt, denn der neue Trainer hat 14, 15 neue Spieler berufen. Probleme haben sie vor allem auch bei Standardsituationen gegen sich. Ich erwarte ein enges Spiel.

Mit Arnold, Goretzka, Kimmich, Stendera, Weigl und Werner fallen Ihnen mehrere gestandene Bundesligaprofis aus. Dafür ist Mahmoud "Mo" Dahoud von Borussia Mönchengladbach zum ersten Mal mit dabei. Gegen die Färöer-Inseln haben wir ihn nach seiner Einwechslung stark gesehen. Was erwarten Sie von ihm?

n-tv überträgt U21-Länderspiel live

Premiere für n-tv: Der Nachrichtensender überträgt das Spiel der deutschen U-21-Nationalmannschaft gegen Russland am Dienstag, 29. März, live. Anstoß des letzten Pflichtspiels vor den Olympischen Spielen ist um 19 Uhr.

Mo hat gut gespielt. Er kann das Spiel clever verlagern, er kann es schnell machen, er hat Ideen. Genau das sind Qualitäten, die unser Spiel auszeichnet. Nicht nur Mo ist neu dabei, sondern auch Nadjem Amiri und Max Christiansen. Auch Max hat es nach seiner Einwechslung am Donnerstag gut gemacht. Er war sofort im Spiel, hat keine Fehler gemacht, hat eine gewisse Sicherheit. Wir haben einen breiten Kader, das ist das Schöne bei der Geschichte. Wir können alle Positionen doppelt oder dreifach besetzen.

Sie sind seit 16 Jahren beim DFB im Nachwuchsbereich tätig. Ist das die beste deutsche Nachwuchsmannschaft aller Zeiten?

Wir hatten schon immer Topspieler. Neu ist die Fülle an guten Kickern. Da zahlt sich die Umstrukturierung der Nachwuchsförderung beim DFB aus dem Jahr 2000 aus. Durch die Stützpunkte und Leistungszentren der Bundesligisten trainieren die Jugendlichen heutzutage schon frühzeitig unter gut ausgebildeten Trainern. Auch bei den Bundesligisten wird toll gearbeitet, da kriegen die jungen Spieler früh viel Spielzeit. Das zahlt sich dann aus. Wir werden auf Jahre im Nachwuchsbereich keine Probleme haben.

Wer von Ihren Jungs ist am ehesten geeignet, Joachim Löw bei der Europameisterschaft zu helfen?

Alle haben das Potential! Unser Ziel ist es natürlich, so viele wie möglich nach oben zu bringen. Bei uns haben sie die Bühne, sich zu präsentieren.

Sie werden in Russland zum letzten Mal die U21 in einem Qualifikationsspiel betreuen. Wird es für Sie persönlich ein besonderes Spiel?

Besonders war mein erstes Bundesligaspiel gegen Bayer Uerdingen. Und vielleicht mein erstes Länderspiel. Für mich waren immer alle Spiele wichtig, sowohl als Spieler als auch als Trainer. Über ein letztes Spiel mit der U21 habe ich mir noch keine Gedanken gemacht, immerhin bin ich im Sommer bei Olympia ja noch dabei.

Nach Olympia werden Sie als U21-Trainer aufhören. Wie geht es danach mit Ihnen weiter?

(lacht) Was danach kommt, werden wir sehen. Ich habe weder gesagt, dass ich aufhöre, dass ich Schluss mache noch sonst irgendetwas. Wie es weitergeht, lasse ich ganz offen. Ich werde ja jetzt 65 und komme ins Rentenalter. Aber es wird sicher nicht so sein, dass ich mich zu Hause aufs Sofa setzte und warte, bis ich sterbe. Das wird nicht passieren.

Mit Horst Hrubesch sprach Timo Latsch

Quelle: n-tv.de

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