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"Wie ich das sehe, lügt Niersbach": Zwanziger: "Es gab eine schwarze Kasse"

Von Tobias Nordmann

Theo Zwanziger ist sich sicher:"Es ist eindeutig, dass es eine schwarze Kasse in der deutschen WM-Bewerbung gab." Und der ehemalige DFB-Präsident geht sogar noch einen Schritt weiter.

In der immer verworreneren Affäre um die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 nach Deutschland erhebt der ehemalige DFB-Chef Theo Zwanziger schwere Vorwürfe. Im "Spiegel" sagte er: Es ist eindeutig, dass es eine schwarze Kasse in der deutschen WM-Bewerbung gab."Außerdem bezichtigt er Amtsnachfolger Wolfgang Niersbach, mit dem ihn eine Dauerfehde wegen eben dieser WM 2006 verbindet, der Lüge. Laut dem 70-Jährigen ist es "ebenso klar, dass der heutige DFB-Präsident davon nicht erst seit ein paar Wochen weiß, wie er behauptet, sondern schon seit mindestens 2005. So wie ich das sehe, lügt Niersbach."

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Zwanzigers Amtsnachfolger hatte noch am Donnerstag, nach zuvor tagelangem Schweigen, während einer eilig einberufenen Pressekonferenz erneut beteuert, es habe im Zuge der WM-Vergabe weder Stimmenkauf noch eine schwarze Kasse gegeben. Niersbach hatte die nach wie vor ominöse Millionen-Zahlung von 6,7 Millionen Euro an die Fifa im Jahr 2005 mit der Sicherung eines erheblichen Organisationszuschusses des Fußball-Weltverbandes für das Turnier erklärt. Auf drängende Fragen hatte er allerdings keine Antworten. So ist nach wie vor unklar, warum die Fifa vorab Geld wollte, um dann im Gegenzug 170 Millionen Euro zu überweisen. Warum hat sich das Organisationskomitee das Geld nicht bei einer Bank oder bei der Bundesregierung geliehen, sondern bei dem früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus? Und warum musste eine geplante Gala-Veranstaltung der Fifa als Vorwand für die Rückzahlung herhalten?

Die 6,7 Millionen Euro bleiben im Zentrum der Affäre

Im Zentrum der Affäre bleibt also die Zahlung der 6,7 Millionen Euro, die 2002 von dem damaligen Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus für das deutsche WM-Organisationskomitee an die Fifa geflossen war. Drei Jahre später, so hatte der "Spiegel" in seiner vergangen Ausgabe gemutmaßt, habe das Organisationskomitee (OK) dieses Geld über ein Konto der Fifa an den Franzosen zurücküberwiesen und es als Beitrag für eine geplante Galaveranstaltung zur Eröffnung der WM 2006 deklariert.

Unter Berufung auf ein Telefonat mit dem damaligen OK-Vize Horst R. Schmidt erklärte Zwanziger jetzt dem "Spiegel", dass diese Summe 2002 an Mohamed Bin Hammam geflossen sei. Der Katarer war von August 2002 bis zu seiner lebenslangen Sperre 2011 wegen Korruption Chef der asiatischen Fußball-Konföderation AFC, galt aber bereits in den vorherigen Jahren als einflussreicher Strippenzieher im Weltverband. Die asiatischen Stimmen waren bei der WM-Vergabe im Jahr 2000 ausschlaggebend für den Zuschlag an Deutschland.

DFB-Präsidium stärkt Niersbach, aber nicht uneingeschränkt

Ungeachtet dessen ist die Präsidiumssitzung des DFB für Präsident Wolfgang Niersbach ohne Konsequenzen geblieben. Das Führungsgremium verschickte eine Mitteilung mit der Botschaft, den eingeschlagenen Weg der umfassenden, lückenlosen Aufklärung aller Vorwürfe im Zusammenhang mit der WM 2006 konsequent mit Niersbach weiterverfolgen zu wollen. Der DFB erklärte darüber hinaus, dass eine extern eingeschaltete Kanzlei beauftragt wurde, "ihre Prüfung auf die Einbeziehung der Fifa auszuweiten".

Präsidiumsmitglied Reinhard Rauball legte zwar Wert darauf zu betonen, dass Niersbach das absolute Vertrauen von ihm und seinen Kollegen genieße, stellte in der Mitteilung allerdings die Prioritäten des Verbandes eindeutig klar - und das klingt nicht unbedingt nach uneingeschränktem Rückhalt für den Präsidenten: "Es ist für den gesamten deutschen Fußball unerlässlich, dass die ganze Wahrheit ans Licht kommt, auch wenn sie zu schmerzhaften Erkenntnissen führen sollte." Rauball verdeutlichte nach der gut dreistündigen Sitzung seinen Anspruch auf Klarheit: "Nichts ist schlimmer, als dass ein Eindruck bleibt, dass etwas unter den Teppich gekehrt werden soll. Dann nehmen wir lieber die Wahrheit in Kauf, auch wenn sie schmerzhaft ist. Für den Ligaverband und für mich persönlich ist entscheidend,  dass alles restlos und ohne Ansehen von Personen aufgeklärt wird."

Quelle: n-tv.de

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