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Dresdner Anhänger im Stadion.
Dresdner Anhänger im Stadion.(Foto: picture alliance / dpa)

Pokal, Geld und Geilheit auf Gewalt: DFB missbraucht Dresden für die Bühne

ein Kommentar von Roland Peters

Dynamo Dresden spielt in der kommenden Spielzeit nicht im deutschen Vereinspokal. Auf einem Sondergipfel war zuvor beschlossen worden: keine Schnellschüsse, Besonnenheit, Dialog. Was macht der DFB? Er greift so hart wie möglich durch - an der falschen Stelle.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich war mit der Forderung schnell bei der Hand: Der Strafenkatalog für Vergehen im Zusammenhang mit Fußballspielen müsse verschärft werden. Grund waren die Ausschreitungen von Anhängern Dynamo Dresdens beim DFB-Pokalspiel in Dortmund. Gemeint waren die Strafen gegen Randalierer, nicht den Verein, in dessen Namen sie Gewalt ausüben. Der Deutsche Fußball-Bund sieht das offenbar anders.

Und so darf Dynamo Dresden wegen der Ausschreitungen nicht am DFB-Pokal 2012/13 teilnehmen. Es ist das erste Mal überhaupt, dass eine Mannschaft von diesem Wettbewerb ausgeschlossen wird. Richter Hans E. Lorenz wies indirekt darauf hin, was Kritiker nach der Empfehlung des Strafmaßes durch den Kontrollausschuss vermutet hatten: Der mit knapp 10.000 Mitgliedern größte ostdeutsche Fußballverein ist das Bauernopfer für Verfehlungen an anderer Stelle.

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Seit Jahren wird die Überwachung immer dichter, per Kamera verfolgen Einsatzkräfte fast lückenlos die Geschehnisse in den deutschen Fußballstadien. Warum werden die Straftäter dann nicht sofort festgesetzt und stattdessen ein kompletter Verein bestraft? Wenn so die Ächtung der Gewalttäter unter den Anhängern vorangetrieben werden soll – der indirekte Weg ist hier der falsche.

Anhänger kommen, wann sie möchten

Dresden kämpft seit Jahren gegen das Gewaltproblem, aber es fehlen offenbar die nötigen Informationen. Bei der fünfstündigen Verhandlung hatte Dresdens Anwalt Christoph Schickhardt beklagt, dass der Zweitligist bis heute keine Namen der Krawallmacher erhalten habe, um gegen sie vorzugehen. Warum? Andernfalls könnten etwa Verkaufsverbote für Tickets, für Sonderzüge möglich werden, Hinweise für Fan-Betreuer über Problemfälle. Abgesehen davon: Ein Verein chauffiert seine Anhänger nicht zum Spiel. Sie kommen, wann sie möchten.

"Fußball ist zur Zeit eine der größten Bühnen unserer Gesellschaft. Auf dieser Bühne suchen viele einen Platz oder eine Nische, das gilt auch für gewaltbereite Menschen. Nie war die Gewalt in unseren Fußballstadien größer als in diesem Jahr", sagte Richter Lorenz. Die Krawallmacher suchen diese Bühne, auch bei anderen Vereinen. Wie bei Hertha BSC, als im Jahr 2010 die eigenen Anhänger den Platz im Olympiastadion stürmten. Der Verein musste 50.000 Euro bezahlen, die Zuschauerzahl wurde für ein Spiel begrenzt.

Bei Hansa Rostock flog am vergangenen Wochenende Feuerwerk in den Gästeblock. Wie wird die Strafe dafür aussehen? Und was ist mit Eintracht Frankfurt, dem "Randalemeister", wie sich ein Teil der Anhängerschaft selbst nennt? Die Bereitschaft zu Gewalt mag groß sein. Die Geilheit darauf ist jedoch auch eine voyeuristische, die sich auf die genannte Bühne stürzt. Das darf keine Rechtfertigung sein, aber es erklärt, warum das DFB-Gericht ein öffentlichkeitswirksames Exempel statuiert.

"Nicht allein Problem des Fußballs"

Dresdens Geschäftsführer Volker Oppitz muss den Gürtel enger schnallen.
Dresdens Geschäftsführer Volker Oppitz muss den Gürtel enger schnallen.(Foto: picture alliance / dpa)

Der Badboy ist wieder einmal Dynamo Dresden, wie bereits 1990, als der achtmalige DDR-Meister für internationale Wettbewerbe gesperrt wurde. Die Strafe gegen den Klub kommt einem Genickschlag gleich. Dresden hat in dieser Saison alleine 1,5 Millionen Euro durch die Pokalspiele verdient, mehr als ein Drittel seines Gesamtetats für Profikader, Trainer und Betreuer. Die Einnahmen seien "grundlegende Voraussetzung für die wirtschaftliche Sanierung des Klubs", so Anwalt Schickhardt.

Beim Sondergipfel hatten DFB, DFL und die Innenminister beschlossen, den Strafenkatalog für Randalierer nicht zu verschärfen. "Gewalt ist nicht allein ein Problem des Fußballs", sagte Liga-Präsident Reinhard Rauball vor wenigen Wochen, die Verantwortlichen sprachen sich für Besonnenheit aus, für Dialog. Im Falle Dynamo Dresdens bestraft der DFB aber einen Fußballklub. Und nutzt damit die Bühne mit einer symbolischen Strafe für die eigenen Zwecke aus. Zwar präsentiert sich der Verband damit als handlungsfähig. Aber die Gewalt wird bleiben.

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Quelle: n-tv.de