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Wusste weniger als das Publikum: Schiedsrichter Wolfgang Stark.
Wusste weniger als das Publikum: Schiedsrichter Wolfgang Stark.(Foto: dapd)

Stark, sein Fehler und der BVB: Die arme Sau allein im Regen

Ein Kommentar von Stefan Giannakoulis

Es ist der Aufreger des Spieltags. Wolfgang Stark entscheidet auf Strafstoß gegen Dortmund, Marcel Schmelzer sieht Rot. Doch das Problem ist nicht, dass ein Unparteiischer falsch entscheidet. Der Fehler liegt im System.

Dabei hätte alles so einfach sein können. Dortmunds Trainer Jürgen Klopp wäre in der 35. Minute zu Wolfgang Stark gegangen: "Schiedsrichter, wir wollen den Videobeweis." Der vierte oder fünfte Offizielle hätte die strittige Szene am Bildschirm analysiert, vielleicht hätte er zwei- oder dreimal hinsehen müssen, letztlich aber hätte auch er das erkannt, was Millionen von Fernsehzuschauern längst gesehen hatten. Und nach wenigen Minuten gesagt: "Klare Sache, Marcel Schmelzer hat den Ball auf der Torlinie nicht mit der Hand gespielt." Und Wolfgang Stark hätte entschieden: Kein Elfmeter für die Wolfsburger, weiter geht's.

Niemand hätte sich empören müssen. So aber ist die Aufregung groß. Weil der Schiedsrichter am vergangenen Samstag im Bundesligaspiel der Borussia aus Dortmund gegen den VfL aus Wolfsburg einen Fehler gemacht und so seinen Teil dazu beigetragen hat, dass die Gäste am Ende mit 3:2 gewannen. Und weil es im Fußball keinen Videobeweis gibt. Wie zum Beispiel im Eishockey oder im American Football. Dort kann jede Mannschaft zweimal pro Spiel ein Veto gegen die Entscheidung des Schiedsrichters einlegen, geklärt wird die Sache dann am Bildschirm. So aber bleiben gleich mehrere Ärgernisse. Weil der Weltverband Fifa seinen Schiedsrichtern Informationen vorenthält, die alle anderen längst haben. Weil er sie mit Absicht dümmer hält als das Publikum und den Unparteiischen technische Hilfe verweigert.

So stand Wolfgang Stark ganz alleine im Regen. "Hängt sie auf, die schwarze Sau", brüllten die Dortmunder Fans. Der BVB listete auf seiner Heimseite alle tatsächlichen und vermeintlichen Fehler des Schiedsrichters auf, nahm den Artikel dann aber nach einiger Zeit aus dem Netz. Wolfgang Stark musste zu Kreuze kriechen und öffentlich um Entschuldigung bitten, er tat das mit Haltung. Und der Deutsche Fußball-Bund hat nun versucht, der geschehenen Ungerechtigkeit ein wenig die Schärfe zu nehmen und entschieden, dass Marcel Schmelzer nach seinem Handspiel, dass keines war, und der Roten Karte, die er trotzdem sah, nun zumindest nicht gesperrt wird. Und am kommenden Sonntag für seine Borussia im Spiel bei der TSG Hoffenheim wieder auflaufen darf.

Hilfloser DFB misst mit zweierlei Maß

Das mag angesichts einer allseits offensichtlichen Fehlentscheidung verständlich sein, konsequent ist das nicht. Schließlich berufen sich Schiedsrichter und Offizielle sonst stets auf das Faktum der Tatsachenentscheidung, will meinen: Der Unparteiische hat im Spiel nach bestem Wissen und Gewissen so entschieden, wie er entschieden hat. Zur Wahrung seiner Autorität, gibt's daran hinterher nichts zu deuteln.

Wie im Fall Lukas Podolski im März dieses Jahres, als der deutsche Nationalspieler noch für den 1. FC Köln und der noch in der ersten Liga spielte. In der Partie gegen Hertha BSC stellte Schiedsrichter Guido Winkmann ihn vom Platz, weil er angeblich Lewan Kobiaschwili an die Gurgel gegangen war. Da half es auch nichts, dass der Berliner hinterher sagte, das sei alles ganz harmlos gewesen. Der DFB sperrte Podolski. Obwohl sich bei der Verhandlung vor dem Sportgericht alle einig waren, dass der Spieler unschuldig ist. Begründung damals: "Wir sind kein Reparaturbetrieb für diskussionswürdige Schiedsrichter-Entscheidungen. Wir können auch falsche Tatsachen-Entscheidungen nicht korrigieren. Es handelt sich zwar um eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters, aber nicht um eine offensichtliche Fehlentscheidung".

Aha. Fehlentscheidung oder offensichtliche Fehlentscheidung? Windelweicher kann eine Unterscheidung nicht sein. Bei Marcel Schmelzer sah sich der DFB nun dazu in der Lage, den Schiedsrichter zu korrigieren. Das ändert nichts daran, dass der Fehler im System liegt. Die Funktionäre versuchen nur hilflos zu retten, was nicht zu retten ist. Dabei könnte alles so einfach sein.

Quelle: n-tv.de