Sport

Guerrero, die Flasche und der Fan: Ein Skandal ist das nicht

Der Staatsanwalt ermittelt gegen Paolo Guerrero. Der Deutsche Fußball-Bund auch. Was sollen sie auch sonst tun? Schließlich hat der Spieler des Hamburger SV einem Zuschauer eine Plastikflasche an den Kopf geworfen. Das hätte er nicht tun sollen. Ein Skandal aber ist das nicht. Ein Kommentar von Stefan Giannakoulis.

"Hau doch ab nach Peru": Paolo Guerrero.
"Hau doch ab nach Peru": Paolo Guerrero.(Foto: dpa)

Die Frage ist nicht, ob ein Fußballer einen Zuschauer angreifen darf. Darf er nicht. Er hat eine Grenze überschritten, dafür werden sie Paolo Guerrero bestrafen. Staatsanwaltschaft und DFB überlegen noch, der Hamburger SV lässt ihn irgendwas zwischen 50.000 und 100.000 Euro für soziale Projekte zahlen. Das ist gut und richtig so. Die viel interessantere Frage ist, was sich ein Mensch, der sein Geld an einem öffentlichen Arbeitsplatz verdient, gefallen lassen muss. Die Antwort lautet: Er muss sich weder beschimpfen noch beleidigen lassen. Auch nicht im Fußballstadion.

Kein Spieler muss sich das bieten lassen

Nun ist nicht gesichert, was der Zuschauer gerufen hat. Die Überlieferungen reichen von "Hau doch ab nach Peru" (Tagesspiegel") bis "schwule Sau" ("Bild"-Zeitung). Fest steht: Nett war es nicht. Und fest steht auch: Paolo Guerrreo hat das getan, was eigentlich richtig ist. Er hat sich den Mann vorgeknöpft, ihn aus der Masse der anonymen Pöbler isoliert und ihn bloßgestellt. Er hätte nur nicht diese Flasche werfen sollen. Aber kein Zuschauer erwirbt sich mit der Eintrittskarte das Recht, irgendjemanden persönlich zu beleidigen. Kein Spieler muss sich das bieten lassen. Selbstachtung ist keine Frage des monatlichen Nettoeinkommens. Sollte es zumindest nicht sein. Von daher läuft der Einwand, ein Profi müsse das ertragen, ins Leere.

Und wer nun sagt, Paolo Guerrero taugt mit seiner Aktion nicht zum Vorbild, hat selbstverständlich Recht. Nur: Was sollen Kinder von erwachsenen Männern halten, die im Stadion völlig aus der Fassung geraten und herumpöbeln, nur weil ein Fußballspiel nicht so ausgeht, wie sie es sich wünschen? Für Sportler wie für Zuschauer gelten Regeln, an die sie sich halten müssen. Halten sie sich nicht daran, werden sie bestraft. Anders geht es nicht.

Und unsympathisch ist es auch

Noch einmal: Dass ein Mensch unter Hochspannung handgreiflich wird, ist inakzeptabel – aber nicht völlig unverständlich. Auch wenn der Hinweis darauf in diesem Fall unpopulär sein mag und alle Welt nur allzu bereitwillig auf Paolo Guerrero eindrischt – verbal natürlich. Es war nicht richtig, was er getan hat. Ein Skandal aber ist es nicht.

Dafür wird es anscheinend mehr und mehr salonfähig, Geld für ein Fußballspiel zu bezahlen und sich dann völlig daneben zu benehmen – ohne dass ihn jemand daran hindert. Der Mann, den die Flasche am Kopf traf, stand nicht bei den Fans in der Kurve, er saß auf den teuren Plätzen. Und glaubte, sich so das Recht erkauft zu haben, Paolo Guerrero anzupöbeln wie es ihm beliebt. Das ist der Skandal – und extrem unsympathisch obendrein.

Quelle: n-tv.de