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Sotschi gehen als Putin-Festspiele in die olympische Geschichte ein. Das lässt Putin Russland einiges kosten.
Sotschi gehen als Putin-Festspiele in die olympische Geschichte ein. Das lässt Putin Russland einiges kosten.(Foto: imago/ITAR-TASS)

Teurer als alle Vorgänger-Spiele zusammen: Putins Sotschi pulverisiert Kostenrekorde

Gigantisch teuer sind die Olympischen Spiele im russischen Sotschi. Wie teuer, zeigt der Vergleich mit den 21 Winterspektakeln zuvor. Der Preis für Putins Prestigeprojekt sprengt alle olympischen Dimensionen. Und das überraschend deutlich.

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Olympia in Sotschi, das werden die größten Winterspiele aller Zeiten. Von Russlands Präsident Wladimir Putin ist über sein persönliches Prestigeprojekt das Bonmot überliefert: "Früher gab es hier nichts, außer Bienenzüchtern. Dann habe ich mit dem Finger auf diesen Ort gezeigt." Dass seine Wunschspiele an Russlands subtropischer Schwarzmeerküste auch die teuersten Winterspiele der Geschichte werden, darüber spricht der Präsident nicht so gerne.

Im Zuge der Bewerbung hatte Putin 2007 Investitionen von neun Milliarden Euro angekündigt, es gab ja zuvor keine Sportstätten in Sotschi. Nach dem Zuschlag explodierten die Kosten jedoch in einem gigantischen Ausmaß. Aktuell werden sie auf 40 Milliarden Euro geschätzt. Vor allem den Oligarchen, Staatskonzernen und Funktionären habe Sotschi 2014 viel Geld gebracht, sagt der russische Anti-Korruptions-Experte Alexej Nawalny. Viele Milliarden seien durch Korruption versickert.

Die exorbitante Gesamtsumme nährte zudem die Vermutung: Die teuersten Olympischen Spiele könnten auch teurer werden als alle vorherigen Winterspiele zusammen. Der niederländische Sporthistoriker Jurryt van de Vooren zeigt nun: Die Vermutung stimmt. Addiert man die Aufwendungen für die bisherigen 21 Winterspiele, liegt man immer noch deutlich unter den geschätzten Kosten für Sotschi. Das krasse Missverhältnis wird in unserer Grafik verdeutlicht (siehe unten).

Vorgänger-Kosten plus x

Erkennbar ist: Für die vorangegangenen olympischen Winterspektakels wurden knapp 35 Milliarden Euro ausgeben - fünf weniger als nun in Russland. Die Kosten für die ersten Spiele 1924 in Chamonix betrugen nach van de Voorens Recherchen 3 Millionen Euro. Das entspricht 0,003 Prozent des Sotschi-Budgets.

Ermittelt hat der Sporthistoriker seine Zahlen durch eine zweimonatige Recherche in Pressearchiven sowie Unterlagen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Einbezogen sind nicht nur die reinen olympischen Veranstaltungsbudgets, die in den Bid Books unter dem Posten OCOG gekennzeichnet sind. Auch die Ausgaben für den Bau der nötigen Infrastruktur sind berücksichtigt - ebenso wie bekannt gewordene Korruptionsfälle, etwa in Salt Lake City.

Um die Zahlen vergleichbar machen, hat van de Vooren sie mit einem Tool des Internationalen Instituts für Sozialgeschichte in Amsterdam auf den Euro-Kurs von 2012 umgerechnet. Überrascht ist der Sporthistoriker von den Ergebnissen nicht: "Ich schreibe seit zehn Jahren über die Geschichte olympischer Spiele und habe viel geforscht. Ich war ziemlich überzeugt, dass es stimmt", sagte van de Vooren: "Aber ich wollte ganz sicher sein."

 

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Quelle: n-tv.de

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