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Homosexuelle könnten sich in Sotschi "wohlfühlen" - sagt Russlands Präsident Wladimir Putin. Sie sollten aber "die Kinder in Frieden lassen".
Homosexuelle könnten sich in Sotschi "wohlfühlen" - sagt Russlands Präsident Wladimir Putin. Sie sollten aber "die Kinder in Frieden lassen".(Foto: picture alliance / dpa)

Deutschlands Sport und Russlands Schwule bei Olympia: Wenn Medaillen Menschenrechte schlagen

Von Christian Bartlau

In Russland werden Homosexuelle per Gesetz diskriminiert - dagegen protestieren Menschenrechtsorganisationen. Vor Olympia in Sotschi suchen sie Verbündete im Sport. Der deutsche Dachverband DOSB hört sich ihre Argumente an - tut aber wenig.

Offene Türen sind eine schöne Sache, sie führen nur manchmal nicht in den gewünschten Raum. Das erfahren derzeit Organisationen, die sich für die Rechte von Homosexuellen in Russland einsetzen. Sie wollen die Olympischen Winterspiele in Sotschi nutzen, um gegen die Diskriminierung von Schwulen und Lesben zu protestieren. Dafür suchen sie Verbündete - auch beim Deutschen Olympischen Sportbund.

Die Dachorganisation des deutschen Sports führte in den vergangenen Monaten zahlreiche Gespräche mit Homosexuellen-Verbänden und Menschenrechtsorganisationen. Das Fazit von Hugh Williamson, Direktor von Human Rights Watch Osteuropa, klingt jedoch ernüchtert: "Wir sind enttäuscht. Konkret hat der DOSB nichts gemacht, um etwas zu verbessern in Sotschi oder Druck zu machen auf Russland."

"Das ist naiv"

Dabei, und das betonen die Aktivisten unisono, sei allein der Dialog schon ein Fortschritt. "Kleine Schritte sind besser als keine Schritte", sagt Klaus Heusslein, Vizepräsident der European Gay and Lesbian Sport Federation. Die EGLSF sprach Anfang Januar mit dem DOSB - der sei das einzige nationale olympische Komitee gewesen, das überhaupt auf die Anfrage reagiert hat. Hugh Williamson von Human Rights Watch erinnert sich an ein "angenehmes Treffen": "Aber es ist auch ein Versuch zu sagen: Wir kümmern uns, weil wir mit ihnen gesprochen haben."

Weil das Thema schon weit vor Olympia an Brisanz gewann, veröffentlichte der DOSB im August 2013 eine Erklärung zum umstrittenen russische "Propaganda"-Gesetz, das positive Äußerungen zu "nichttraditionellen sexuellen Beziehungen" verbietet. Im September einigte sich schließlich das Präsidium auf die Sprachregelung, das Gesetz widerspreche den eigenen Werten. Gleichzeitig begrüßte der DOSB die Zusicherung der russischen Regierung, während der Spiele würden weder Fans noch Athleten noch Offizielle diskriminiert.

Human Rights Watch reicht diese Zusicherung nicht. "Wir finden das widersprüchlich und wertlos", sagt Hugh Williamson. "Es ist naiv vom DOSB, das zu akzeptieren." Er wünsche sich vielmehr, dass ein mächtiges nationales olympisches Komitee wie das deutsche offen die Abschaffung des Gesetzes fordert – das offensichtlich gegen Punkt 6 der olympischen Charta verstößt, der jegliche Diskriminierung als unvereinbar mit der olympischen Bewegung ablehnt.

"Was hätten wir davon?"

Der DOSB betont, man teile das Ziel eines Sports ohne Diskriminierung: "Wir sind in guten Gesprächen und tun, was in unseren Möglichkeiten steht." Einen dringenden Wunsch kann der DOSB aber nicht erfüllen: Die Aktivisten brachten auch das "Pride House" ins Gespräch. Das ist ein offener Treffpunkt, der sich besonders an die LGBT-Szene richtet. Erstmals gab es das "Pride House" in Vancouver 2010, danach auch in London 2012. In Sotschi endet die Geschichte vorerst. Ein russisches Gericht stoppte die Initiative; sie trage einen "extremistischen Charakter" und widerspreche der öffentlichen Moral.

Seitdem versuchen mehrere Organisationen, nationale olympische Komitees zu überreden, ihre Häuser wenigstens für eine Veranstaltung der "Pride-House"-Initiative zu öffnen. Der DOSB lehnte den Wunsch ab. Das Deutsche Haus sei Treffpunkt der Sportfamilie, ihrer Förderer, der Medien und weiterer Gäste - aber kein öffentliches Haus, argumentiert der DOSB. Als Gäste sind Vertreter von Homosexuellen-Verbänden in das Deutsche Haus eingeladen.

Klaus Heusslein von der EGLSF meint, die Gründe für die Ablehnung eines Pride-House-Events seien "größtenteils nachvollziehbar und verständlich". Wieviel Verständnis der Sportbund dafür hat, ist eine eine andere Frage. Auf das Bitten Heussleins, ein Pride-House-Event im deutschen Haus abzuhalten, kam vom DOSB eine Gegenfrage: "Was hätten wir davon? Bringen wir dann mehr Medaillen nach Hause?"

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Quelle: n-tv.de

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