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Das BQ Aquaris X5 hat einen Metallrahmen und einen Rücken aus Kunststoff.
Das BQ Aquaris X5 hat einen Metallrahmen und einen Rücken aus Kunststoff.(Foto: jwa)

Cyanogen ist besseres Android: BQ Aquaris X5 hat starke Extras

Von Johannes Wallat

Das BQ Aquaris X5 ist ein günstiges Smartphone mit schickem Gehäuse und spannendem Innenleben. Statt auf Android setzt BQ auf das alternative Betriebssystem Cyanogen OS. Reicht die besondere Software zum Kauftipp?

Der Smartphone-Hersteller BQ ist in seinem Heimatland Spanien eine feste Größe, die Handys aus der Aquaris-Linie verkaufen sich gut. In Deutschland bislang eher unbekannt, versucht BQ nun zusammen mit dem Mobilfunkriesen Telefónica und dessen Tochter O2, mit einem besonderen Smartphone zu punkten: Das Aquaris X5 kommt mit dem Betriebssystem Cyanogen OS, einer Weiterentwicklung von Android, die Nutzern mehr Freiheit, Sicherheit und Einstellungsmöglichkeiten bietet.

Cyanogen OS ist hervorgegangen aus dem Custom-Rom CyanogenMod, der wohl beliebtesten alternativen Android-Firmware der Welt. Android-Kenner und Experten macht ein Smartphone mit Cyanogen OS schon deshalb neugierig, doch der Durchschnittsverbraucher zuckt bei der Erwähnung des Zungenbrecher-Namens wohl eher gleichgültig die Achseln. Die berechtigte Frage: Wo liegt der Mehrwert der Android-Alternative?

Extras sind versteckt

Gutes Display - obwohl es das BQ Aquaris X5 bei 5 Zoll nur auf 1280 x 720 Pixel bringt.
Gutes Display - obwohl es das BQ Aquaris X5 bei 5 Zoll nur auf 1280 x 720 Pixel bringt.(Foto: jwa)

Das Smartphone selbst ist ein gutes Mittelklassegerät, das ausreichend Power für Alltagsaufgaben hat, aber keine High-End-Leistung bringt. Ein Qualcomm Snapdragon 412 taktet mit 1,4 Gigahertz, 2 Gigabyte Arbeitsspeicher stehen zur Verfügung. Der interne Speicher fasst 16 Gigabyte und kann per microSD-Karte erweitert werden. Der SIM-Schlitten nimmt zwei Nano-SIM-Karten auf, der Akku hat mit 2900 Milliamperestunden reichlich Ausdauer und hält im Zusammenspiel mit der genügsamen Hardware gerne auch zwei Tage durch - ein Spitzenwert.

Die Verarbeitung ist ordentlich und macht einen hochwertigen Eindruck, das Gerät liegt gut in der Hand. Der Aluminiumrahmen ragt an den Seiten minimal übers Display - etwas scharfkantig zwar, aber das soll vor Kratzern schützen. Die Rückseite ist von mattem Kunststoff bedeckt. Pluspunkte gibt's für das gute Display, das bei 5 Zoll Diagonale zwar "nur" HD-Auflösung (1280 x 720 Pixel) hat. Die Pixeldichte von 294 ppi ist aber hoch genug für eine angemessen scharfe Darstellung, Farbwiedergabe und Blickwinkelstabilität sind vorbildlich. Die Kamera ist typisch für die Mittelklasse: Bei gutem Licht arbeitet sie ordentlich, in schlechter Beleuchtung fällt die Bildqualität deutlich ab. Kleines Plus: Die Frontkamera knipst mit 5 Megapixeln und hat einen Blitz.

Interessanter aber als Design, Verarbeitung und Leistung ist ein Blick auf die Software. Auf den ersten Blick deutet beim X5 nur wenig darauf hin, dass hier etwas anderes als pures Android werkelt. Nur wer etwas tiefer schaut, entdeckt die Möglichkeiten von Cyanogen OS. Die sind nämlich unscheinbar im Menü versteckt und für den Laien so oft schwerer als nötig zu entdecken - etwas Eingewöhnungszeit sollten Cyanogen-Neulinge also einplanen.

Themes, flexible Tasten und "Nachtlicht"

Die wichtigsten technischen Daten
  • System: Cyanogen OS 12.1, basiert auf Android 5.1
  • Display: IPS LCD, 5 Zoll, 1280 x 720 Pixel, 294 ppi
  • Prozessor: Qualcomm Snapdragon 412, 1,4 GHz
  • Arbeitsspeicher: 2 GB
  • Interner Speicher: 16 GB + microSD
  • Kamera: 13 MP
  • Frontkamera: 5 MP
  • LTE, WLAN 802.11 b/g/n, Bluetooth 4.0
  • Dual-Nano-SIM
  • Akku: 2900 mAh
  • Maße: 144,4 x 70,5 x 7,5 mm
  • Gewicht: 148 g

Neuer Look gefällig? Zahlreiche "Themes" geben der Benutzeroberfläche ein neues Gesicht, Details wie Schriftart und Hintergrund können angepasst werden. Wie, wann und in welcher Farbe die Benachrichtigungs-LED leuchtet, bestimmt der Nutzer selbst, auf Wunsch mit eigenem Blinkrhythmus und Leuchtfarbe für jede App. Auch die Bedientasten sind nicht statisch. Drei kapazitive Tasten liegen unterhalb des Displays, "Zurück" und "Multitasking" tauschen auf Wunsch ihre Position oder werden gleich zusammen mit dem Home-Button deaktiviert und durch Bildschirmtasten ersetzt.

Die "LiveDisplay"-Funktion von Cyanogen 12.1 hat Apple so ähnlich erst vor Kurzem für iOS 9.3 eingeführt: Je nach Tageszeit und Umgebungsbedingungen passt das System die Lichttemperatur an - je später der Abend, desto weniger Blaulicht. Das soll die Augen schonen und beim Einschlafen helfen. Auch praktisch: Wer die Displayhelligkeit regeln will, wischt nach links oder rechts über die Statusleiste am oberen Displayrand. Und ein Doppeltipp aufs Display weckt das Smartphone auf, zweimal Tippen auf die Statusleiste schickt es wieder schlafen.

Anpassung, Extra-Apps, Sicherheit

Noch ist Cyanogen eng an Google gebunden, die Standard-Apps von Google gehören zur Ausstattung dazu. Das soll aber nicht immer so bleiben: Extra-Anwendungen wie eine eigene, gut gelungene Kamera-App und Galerie, ein Browser, eine Telefonanwendung mit Anrufererkennung, eine eigene E-Mail- und Kalender-App sowie die Sound-App AudioFX deuten schon an, dass Cyanogen sich von Google emanzipieren und - mit Geldgebern wie Microsoft oder Qualcomm im Rücken - sein eigenes Süppchen kochen möchte. Das äußerte das junge Unternehmen bereits im Januar 2015, und dazu passt auch die Integration der Suchmaschine Bing im Browser und von Microsofts Sprachassistentin Cortana, die für das Update auf Cyanogen 12.1.1 vorgesehen ist.

Für mehr Privatsphäre und Sicherheit hat Cyanogen die "PIN Scramble"-Funktion, die bei der Eingabe der PIN zufällig gewählte Zahlen anzeigt. Besonders schützenswerte Apps können in einem Extra-Ordner versteckt werden, der per PIN gesichert ist. Und wie bei Android 6 Marshmallow bietet auch Cyanogen OS Zugriff auf die App-Berechtigungen und erlaubt Nutzern, allzu neugierigen Apps die Rechte zu entziehen und ihren Datenhunger so zu beschränken.

Damit ist das Aquaris X5 ein klasse Smartphone, das sich für den Verkaufspreis von 240 Euro als ausreichend potenter Alltagsbegleiter andient - auch wenn Ladegerät und Kopfhörer nicht im Lieferumfang enthalten sind. Die erweiterten Anpassungsmöglichkeiten und Sicherheitsfunktionen von Cyanogen OS sind toll, unerfahrene Nutzer könnte die Menüstruktur mit den teils schwer auffindbaren Funktionen aber abschrecken, sodass das Potenzial der Software letztlich ungenutzt zu bleiben droht. Das X5 gibt es als Alternative auch mit purem Android zum gleichen Preis und mit der gleichen Hardware - es gibt aber nichts, was für Android und gegen das potentere Cyanogen OS spricht, abgesehen von der größeren Auswahl an Farbvarianten. Wer das X5 in Weiß-Silber oder Weiß-Roségold haben will, muss zum Androiden greifen.

Quelle: n-tv.de

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