Technik
Freitag, 01. Juli 2011

"The Jester" macht keinen Spaß: Der Hacker, der Islamisten jagt

Von Klaus Wedekind

Al-Kaida kämpft gegen einen unsichtbaren Gegner, der ihre Web-Auftritte angreift und ihre Internet-Propaganda lahmlegt. Vermutlich handelt es sich bei dem Hacker, der dem Terror-Netzwerk den Krieg erklärt hat, um "The Jester", einem Einzelgänger, der sich gerne mit den Feinden der USA anlegt.

Jesters Profilbild auf Twitter.
Jesters Profilbild auf Twitter.(Foto: The Jester)

Die Behauptung des Terror-Experten Evan Kohlmann von Flashpoint Global Partners, alle Al-Kaida-Kommunikationswege im Internet seien gekappt, war zwar übertrieben. Immerhin aber hat sich herausgestellt, dass Al-Shakim1, das Forum des Al-Kaida-Zentralorgans "Shumuk Al-Islam" offenbar durch einen Angriff auf den zentralen Server lahmgelegt wurde. Dies bedeutet, dass das Hass-Forum, das unter anderem zu Attentaten auf koptische Kirchen aufruft, über keine seiner zahlreichen Internet-Adressen zu erreichen ist.

Scot Terban von "Infosec Island" vermutet, dass hinter der Hacker-Attacke auf Al-Kaida keine Regierung steht. Er sieht auch keine Verbindung zu der Aktion, bei der Hacker angeblich im Auftrag der britischen Regierung auf einer Al-Kaida-Seite eine Bombenbau-Anleitung durch Kuchenrezepte ersetzte.

The Jester narrte auch Lulzsec

Für den Infosec-Experten könnte ein "alter Bekannter" den Al-Shakim-1-Server abgeschossen haben: "The Jester". Der "Narr" machte jüngst auf sich aufmerksam, indem er neben anderen Hackern der Cracker-Gruppe Lulzsec den Kampf ansagte und möglicherweise persönliche Eigenschaften des Lulzsec-Kopfes Sabu veröffentlichte.

Jester, der sich selbst als Gray Hat bezeichnet, ist in Hacker-Kreisen aber schon länger ein Begriff. Er soll verantwortlich für Angriffe auf Wikileaks und 4Chan sein. Der Hacker, der nach eigener Darstellung für das Gute kämpft, legt sich aber seit Anfang 2010 besonders gerne mit Islamisten an und attackiert regelmäßig deren Webseiten.

In einem außergewöhnlichen Interview mit "Infosec Island" erklärt er, welche DoS-Technik er für seine automatisierten Angriffe entwickelt hat und wie er "Projekt XerXeS" einsetzt. Im Prinzip soll das Programm selbstständig Islamisten-Webseiten nach bestimmten Merkmalen ausfindig machen und angreifen, wenn sie "erwachen".

"Ich gehöre zu den Guten"

Jester betont in dem Interview, dass er zu den "Guten" gehöre und er XerXeS niemals für Angriffe auf zivile Ziele einsetzen werde. Er sagt außerdem, dass sein automatisiertes Skript keine Botnetze benötige und keine Kollateralschäden verursache. "Das Endziel ist es, Online-Kommunikation, Rekrutierung und Koordinierungsversuche von internationalen und einheimischen Terroristen zu unterbinden."

The Jester kämpft zwar auch gegen Unterdrücker-Regime, wie er in "About Jester" schreibt. Insofern hat er Berührungspunkte mit Anonymous. Seine geistige Haltung unterscheidet sich aber grundsätzlich von den Hacktivisten, die mit einer eher anarchischen Einstellung für ihre Freiheitsideale einstehen. Derzeit sorgen sie unter anderem durch Angriffe auf brasilianische Regierungsseiten und die österreichischen Parteien FPÖ und SPÖ für Furore.

Ex-Soldat mit Prinzipien

Aktionen wie "Chinga La Migra", bei der Anonymous in einer dritten Welle unter anderem E-Mails mit rassistischen Sprüchen von Grenzpolizisten veröffentlicht hat, dürften überhaupt nicht Jesters Ding sein. Er gibt von sich selbst preis, dass er ein Ex-Soldat sei, der in Afghanistan und anderen Krisenregionen gekämpft habe. Ein US-Verteidigungsexperte sagte der "New York Times", Jester habe für das "United States Special Operation Command" gearbeitet. Dabei handelt es sich um eine kleine Eliteeinheit, die unter anderem Jagd auf Terroristen macht. Dazu passt, dass Jester seine DoS-Attacke auf Wikileaks damit begründete, dass die Enthüllungsplattform das Leben "unserer Truppen" gefährde.

Im Februar bekannte sich der Einzelgänger auch zu einem Angriff auf die Webseite der Westboro Baptist Church, die unter anderem wegen ihrer extremen Einstellung gegen Homosexualität berüchtigt ist. Allerdings kreidete der Hacker der Kirche an, dass "sie den Tod von US-Soldaten gefeiert" habe.

Zu der jüngsten Aktion hat sich Jester nicht direkt bekannt. Allerdings verlinkte er auf Twitter den Bericht von "Infosec Island", in dem er als Urheber vermutet wird.

Quelle: n-tv.de

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