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Von hinten sind alle drei neuen iPhones attraktiv, aber nur das X hat eine moderne Vorderseite.
Von hinten sind alle drei neuen iPhones attraktiv, aber nur das X hat eine moderne Vorderseite.(Foto: REUTERS)
Mittwoch, 20. September 2017

Wer kann, der wartet: Dieses Jahr besser gar kein iPhone kaufen?

Von Klaus Wedekind

Wer sich ein neues iPhone zulegen möchte, kann jetzt zu einem soliden Update greifen oder auf das völlig neue iPhone X warten. Vielleicht ist aber die beste Entscheidung, in diesem Jahr gar kein Apple-Handy zu kaufen.

Apple hat zum zehnjährigen Jubiläum des iPhone nicht nur zwei neue Handys vorgestellt, sondern gleich drei. Unumstrittener Star des Trios ist das iPhone X, bei dem Apple auf Home-Button und Fingerabdrucksensor verzichtet hat und stattdessen auf 3D-Gesichtserkennung und Wischgesten setzt. Dazu kommt ein völlig neues Design, bei dem erstmals ein OLED-Display fast die gesamte Front einnimmt und eine gläserne Rückseite induktives Laden ermöglicht. Das alles hat seinen Preis: Die günstigste Variante kostet rund 1150 Euro. Und Apple hat Probleme, das iPhone X schnell in ausreichender Stückzahl anbieten zu können. Die Geräte können erst ab 27. Oktober vorbestellt werden, vor dem 3. November hält sie kein Käufer in der Hand, viele möglicherweise erst 2018.

Auch das iPhone X ist wasserdicht.
Auch das iPhone X ist wasserdicht.(Foto: Apple)

Weniger Beachtung fanden nach der Apple-Show im Schatten des spektakulären Jubiläums-Smartphones das iPhone 8 und das iPhone 8 Plus. Von vorne sehen sie exakt wie die aktuellen Modelle aus. Erkennbarer Unterschied ist zunächst nur, dass Apple auch ihnen eine Rückseite aus Glas spendiert hat. Außerdem arbeitet in ihnen der gleiche mächtige A11-Chip wie im iPhone X und ihre Kameras sind noch besser als die der 7er-Modelle. Sie sind mit Preisen ab knapp 800 beziehungsweise 910 Euro etwas günstiger als das iPhone X und ab dem 22. September zu haben.

Welches iPhone sollte man sich kaufen? Noch Wochen oder gar Monate auf das X-Modell warten oder schon jetzt bei einem 8er zugreifen? Für viele Nutzer könnte die richtige Antwort lauten: weder noch. Denn es sprechen einige gute Gründe dafür, bis zum nächsten Jahr mit dem Kauf eines neuen iPhone zu warten.

Die Letzten ihrer Art

Würde es nicht auf einem Ladepad liegen, könnte man das iPhone 8 auch für ein iPhone 7 halten.
Würde es nicht auf einem Ladepad liegen, könnte man das iPhone 8 auch für ein iPhone 7 halten.(Foto: Apple)

Das iPhone 8 und das iPhone 8 Plus sind wahrscheinlich sehr gute Smartphones und sie werden ihre Nutzer nicht enttäuschen. Aber ihr Design stammt größtenteils aus dem Jahr 2014. Von vorne sehen sie immer noch wie ein iPhone 6 aus und kaum ein anderes Oberklasse-Smartphone hat heutzutage noch so breite Ränder ums Display wie ein iPhone 8. Der A11-Chip ist allerdings ein Monster und die neuen Kameras sind ersten Testberichten zufolge eine Klasse für sich. Dazu kommt noch drahtloses Laden und ein etwas verbessertes LCD.

Für Besitzer eines iPhone 7 sind das aber kaum genügend Gründe, sich schon wieder ein neues Gerät zu leisten. Die neuen Augmented-Reality-Anwendungen funktionieren auch mit dem Chip der 2016er-Generation, laut Apples Vorgaben auch noch mit dem A9, der im iPhone 6s arbeitet. Wer ein älteres iPhone sein Eigen nennt, würde die Verbesserungen zwar deutlich spüren, aber sich vielleicht im kommenden Jahr ärgern. Denn es ist sehr wahrscheinlich, dass 2018 nur noch zwei Geräte im Stil des iPhone X herauskommen und die 8er-Modelle dann ziemlich alt aussehen. Wer mit seinem aktuellen iPhone eigentlich noch zufrieden ist, wartet also besser erstmal ab.

Nur 10.000 pro Tag

Das iPhone X hat keinen Home-Button.
Das iPhone X hat keinen Home-Button.(Foto: Apple)

Zum einen könnte man auf das iPhone X warten, das ja tatsächlich eine spannende Neuheit ist. Doch auch hier sollten Kaufinteressenten erstmal durchatmen und überlegen, ob das eine so gute Idee ist. Denn wie schon viele Gerüchte im Vorfeld der Vorstellung am 12. September vermuten ließen, hat Apple offenbar Probleme, das iPhone X in ausreichenden Stückzahlen zu produzieren. Erst kürzlich prognostizierte laut "Appleinsider" der wohlinformierte Analyst Ming-Chi Kuo, Apple könne bis Ende des Jahres nur rund 40 Millionen Geräte ausliefern und werde damit erst im Laufe des kommenden Jahres die Nachfrage befriedigen können. Mehr als 10.000 iPhone X würden derzeit nicht vom Band laufen. Kritisch für die Produktionszahlen sind vermutlich der Nachschub an OLED-Displays und die neuartige 3D-Frontkamera.

Deutsche Käufer werden voraussichtlich nicht zu den bevorzugten Vorbestellern gehören und müssen damit rechnen, dass sie erst im kommenden Jahr ihr iPhone X bekommen. Nach dem iPhone ist aber immer auch vor dem iPhone. Auch im nächsten Jahr wird Apple im September neue Smartphones präsentieren und dann ist das Jubiläums-Gerät nur noch ein iPhone vom Vorjahr. Erhält man sein X erst Mitte Februar, darf man sich nur noch rund sieben Monate freuen, das neueste Modell zu haben. Lohnt sich das?

Mit dem nächsten iPhone wird alles besser

Außerdem war man in der Vergangenheit eigentlich immer gut beraten, auf das S-Modell zu warten, also beispielsweise nicht das iPhone 5, sondern das iPhone 5s zu kaufen. Bei diesen Geräten waren Fehler des Vorgängers beseitigt und sie waren immer besser und kompletter ausgestattet. So kam 3D Touch erst mit dem iPhone 6s oder die Touch ID mit dem iPhone 5s. Das könnte auch beim X so sein. Spekuliert wird beispielsweise, dass Apple im kommenden Jahr doch noch einen Fingerabdrucksensor im Display integriert oder auf der Rückseite platziert. Die 3D-Gesichtserkennung "Face ID" scheint gut zu funktionieren, Probleme zeigen sich aber vielleicht erst Wochen oder Monate nachdem die ersten Geräte ausgeliefert wurden. Und ob trotz OLED-Knappheit alle eingesetzten Displays einwandfrei arbeiten, muss sich ebenfalls erst noch zeigen. Beim Nachfolger ist mit solchen Problemen kaum noch zu rechnen.

Kurzum: Wahrscheinlich werden Nutzer, die sich ein iPhone 8 oder X zulegen, nicht enttäuscht werden. Aber 2018 scheint das bessere Jahr zu sein, ein neues Gerät zu kaufen - auch wenn das Warten vielleicht schwerfällt.

Quelle: n-tv.de

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