Technik

HTC verletzt zwei PatenteEtappensieg für Apple

17.07.2011, 13:26 Uhr

Im erbittert geführten Streit um Patente und Marktanteile trägt Apple im Ringen mit dem Rivalen HTC einen wichtigen Etappensieg davon. Die US-Handelsbehörde sieht nach einem vorläufigen Urteil zwei Apple-Patente durch HTC verletzt. Für den Android-Riesen könnte das drastische Auswirkungen haben.

Apple hat im hitzig laufenden

Patentkrieg der Smartphone-Hersteller Boden gutgemacht. Die US-Handelsbehörde ITC

entschied, dass der taiwanesische Rivale HTC in zwei Fällen Funktionen von Apple

abgekupfert hat. Sollte die Vorentscheidung bestätigt werden, droht dem Apple-Rivalen im schlimmsten Falle ein Importstopp für die USA.

HTC ist einer der engsten

Partner von Google in der Welt der Smartphones und Tablet-Computer. Apple hatte

vor mehr als einem Jahr eine Beschwerde vor der Handelsbehörde eingereicht und den

Taiwanern Ideenklau bei Smartphones in mehreren Fällen vorgeworfen. Anfang dieses

Monats schob Apple dann eine zweite, separate Beschwerde hinterher, nachdem HTC

sein ebenfalls von Android angetriebenes Tablet Flyer herausgebracht hatte. Parallel

laufen gerichtliche Klagen im US-Bundesstaat Delaware. Die Handelsbehörde agiert

jedoch zumeist schneller als die Gerichte, wo sich derartige Verfahren nicht selten

über Jahre hinziehen.

Android holt auf

Googles Android, das von

einer ganzen Reihe an Handy- und Computerherstellern verwendet wird, hat sich zur

größten Bedrohung für Apples iPhone-Handy und iPad-Tablet entwickelt. Nach letzten

Daten des Marktforschers Comscore liegt der Anteil der Android-Geräte an den Smartphones

in den Vereinigten Staaten mittlerweile bei 38,1 Prozent; Apple kommt demnach auf

26,6 Prozent. Apple streitet sich auch mit den beiden großen Android-Nutzern Motorola

und Samsung wegen vermeintlichen Ideenklaus. Samsung hat unter anderem in Deutschland

Gegenklage eingereicht.

Auch HTC gab sich nach

der Entscheidung kampfeslustig: "Wir sind darauf eingestellt, uns mit allen

Mitteln zu wehren", sagte Justiziarin Grace Lei. Die Entscheidung eines einzelnen

ITC-Richters muss noch von einer Kommission bestätigt werden. "Wir sind davon

überzeugt, dass wir alternative Lösungen parat haben für die Themen, die Apple aufgebracht

hat", erklärte die Justiziarin weiter.

HTC wirft Apple seinerseits

vor, Patente verletzt zu haben. Zudem haben die Taiwaner ihre Abwehrfront jüngst

verstärkt mit dem Kauf des Grafikspezialisten S3, der bereits ein ITC-Patentverfahren

gegen Apple gewonnen hat.

Patentwut grassiert

Die vielen Klagen in den

USA sind nur deshalb möglich, weil sich Hersteller dort auch scheinbar banale Grundfunktionen

schützen lassen können - wie etwa den Fingerstreich auf dem Touchscreen, mit dem

iPhone-Nutzer ihr Handy entsperren. Experte Müller sieht angesichts der Bedeutung

mancher Patente aber kaum eine Möglichkeit, dass die Konkurrenz sie umgehen kann.

So wird selbst ein einziger verlorener Patentstreit schnell zu einer ernsthaften

Bedrohung. Insgesamt hatte Apple der rivalisierenden HTC im aktuellen Verfahren

vorgeworfen, zehn geschützte Ideen gestohlen zu haben; letztlich sah die Handelsbehörde

aber nur zwei Patente tatsächlich betroffen.

Smartphones sind für Patentstreitigkeiten

anfällig, weil sie Funktionen aus dem Mobilfunk und der Computertechnik verbinden.

Apple hatte den Smartphone-Markt mit seinem ersten iPhone 2007 erst richtig angekurbelt,

genauso wie der kalifornische Elektronikkonzern 2010 den Tablet-Computern mit seinem

iPad zum Durchbruch verhalf. Doch mittlerweile wimmelt es von Konkurrenten besonders

aus Asien. Apple hatte sich jüngst in einer milliardenschweren Auktion auch grundlegende

Mobilfunk-Patente aus dem Nachlass des untergegangenen kanadischen Telekom-Ausrüsters

Nortel gesichert; auch Google hatte letztlich erfolglos mitgeboten.

Quelle: nne/dpa