Technik
Fernseher "Iris" aus dem Jahr 1957 - nicht nur die Geräte haben sich geändert.
Fernseher "Iris" aus dem Jahr 1957 - nicht nur die Geräte haben sich geändert.(Foto: picture alliance / dpa)

Für Filmfreaks und Currywurstsüchtige: Individuelle TV-Werbung kommt

Daten-Dienstleister Gracenote bringt personalisierte Werbung auf den Fernseher, theoretisch bereits im kommenden Jahr. In der Zukunft spricht also das TV: "Herr Müller, hatten Sie heute schon Ihre Currywurst?" Tom Cruise kennt die Nachteile.

Digital ist theoretisch alles messbar und auch personalisierbar. Gracenote will ab 2013 eine technische Lösung anbieten, um individuelle Fernsehwerbung zu ermöglichen. Die Sendung kann dabei gleich bleiben. Wie genau die Technik funktioniert, wird wohl auf der Consumer Electronics Show CES in Las Vegas erläutert. Auf der Messe, die vom 8. Bis 11. Januar stattfindet, soll das Produkt vorgestellt werden.

Spezialedition und Diätberater

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Denkbar ist, dass Kabel- und Bezahlfernsehbetreiber bei Vertragsabschluss mit Kunden auch Angaben zu deren Vorlieben erfragen. Die Antwort auf "Was sind Ihre Lieblingsfilme?" könnte dazu führen, dass entsprechende Werbung angezeigt wird - etwa wenn eine Spezialedition der DVD veröffentlicht wird oder der gleiche Schauspieler in einem neuen Streifen auftaucht.

Und kulinarische Vorlieben, etwa ein schier unheilbarer Hang zur Currywurst, könnte allerhand Werbeclips nach sich ziehen: Fitnessstudio und Sportgeräte, Ernährungstipps oder Diätberater. Die Datenerhebung kann auch wesentlich einfacher erfolgen: Fernsehen "on Demand" statt Ausstrahlung liefert bereits einige Angaben über den Zuschauer. Neben möglichen Bedenken zum Datenschutz der Kunden könnte es auf Senderseite eine Kontroverse darüber geben, ob die Fernsehstationen selbst hundertprozentige Kontrolle über ihr Signal behalten wollen oder gar müssen.

Im Onlinebereich ist dagegen personalisierte Werbung längst gang und gäbe. Google verdient mit seinem "Adsense"-Dienst mehr als 100 Millionen US-Dollar pro Tag, wie eine Analyse der Marketingfirma WordStream im Oktober ergab. Auch in Onlineshops wie Amazon gibt es auf Basis bisheriger Vorlieben Empfehlungen á la "Das könnte Ihnen auch gefallen".

Welche Daten werden erhoben?

Im Film "Minority Report" wird Hauptdarsteller Tom Cruise alias John Anderton in der Öffentlichkeit per Augenscan identifiziert, mit seinem Namen direkt angesprochen und entsprechend personalisierte Werbung auf Videowände geworfen. Eine Vision für das Jahr 2054, in dem er auf der Flucht ist, aber ständig erkannt wird. So weit wird das Gracenote-System 2013 nicht gehen (können). Trotzdem ist es im Fernsehbereich ein Novum.

Gracenote gehört zu Sony und wurde vor allem wegen seiner Musikdatenbank "CDDB" bekannt. Inzwischen liefert es auch Lösungen für die neue Generation von Fernsehern, den Smart-TVs. Wie die Datensammlung für Fernsehwerber aussehen soll, also welche Angaben gespeichert werden können - oder müssen -, ist nicht bekannt.

Quelle: n-tv.de

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