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Haben die klassischen SIM-Karten bald ausgedient?
Haben die klassischen SIM-Karten bald ausgedient?(Foto: REUTERS)

Apple und Samsung wollen eSIM: SIM-Karten sollen verschwinden

Apple und Samsung wollen die klassischen SIM-Karten abschaffen. Unterstützung bekommen sie dabei von den Mobilfunkkonzernen. Der neue Standard könnte den Mobilfunkmarkt umkrempeln.

Wer ein Handy hat und damit telefonieren will, braucht eine SIM-Karte. Die kleinen Karten, die zur Identifikation eines Nutzers im Netz dienen, wurden zwar immer kleiner, nach Mini-SIM und den geschrumpften Micro-SIM-Karten setzte sich Nano-SIM als neuer Standard durch, doch bald könnte das manchmal fummelige Austauschen der Karte ganz der Vergangenheit angehören. Eine fest verbaute elektronische SIM-Karte ("Embedded SIM", kurz "eSIM") soll die Chip-Karten ablösen.

Wie die "Financial Times" am Wochenende berichtete, verhandeln Apple und Samsung mit der weltweiten Vereinigung der Mobilfunkanbieter GSMA derzeit eine Abschaffung der austauschbaren Karten und stattdessen die Einführung eines elektronischen Standards für SIM-Karten. An den Gesprächen sind unter anderem die drei Mobilfunkkonzerne Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica (O2/E-Plus) beteiligt.

Fliegender Wechsel möglich

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Eine eSIM-Karte, wie sie von den Herstellern und Mobilfunkanbietern in Betracht gezogen wird, wäre fest im Gerät verbaut und könnte nicht ausgetauscht werden. Die Umstellung auf das elektronische System könnte die Art grundlegend verändern, wie Nutzer die Dienste von Mobilfunkanbietern nutzen, wie die "Financial Times" ausführt. Ein Wechsel des Telefonanbieters könnte per Software geregelt werden, ein Umstieg könnte erfolgen, ohne die Karte auszutauschen - kurz umprogrammieren reicht. Bisherige Lösungen wie Dual-SIM würden überflüssig, wenn der Nutzer sich mit einer SIM-Karte bei mehreren Anbietern identifizieren und ganz einfach hin und her wechseln könnte. Für Smartphone-Hersteller hätte die elektronische SIM-Karte noch einen Vorteil: Weil der Steckplatz für eine der klassischen SIM-Karten entfiele, ergäben sich mehr gestalterische Freiheiten. Auch für Smartwatches und andere Wearables wäre ein eSIM-Standard von Vorteil.

Es gibt aber auch Kritik an der Abschaffung des klassischen SIM-Systems: Herkömmliche Prepaid-Karten, mit denen Nutzer anonym telefonieren und die bei Bedarf jederzeit gewechselt werden können, würden so verdrängt. Denkbar ist außerdem, dass Hersteller ihre eSIM-Karten nur für die Nutzung mit bestimmten Netzanbietern freischalten würden, ähnlich wie es bereits jetzt bei Geräten mit SIM-Lock der Fall ist. Zudem ist es nicht möglich, dieselbe SIM-Karte in mehreren Geräten zu nutzen. Ähnlich ist es bei der Apple-SIM, eine fest verbaute Karte in Apples iPad Air 2 und dem iPad mini 3, mit der Kunden in den USA und Großbritannien zwischen Netzanbietern wechseln können.

Entwickelt wurde die fest verbaute SIM eigentlich für die Maschine-zu-Maschine-Kommunikation, also für technische Geräte, bei denen ein gelegentlicher Austausch der SIM-Karte nicht vorgesehen oder nötig ist. Erste Smartphones mit dem neuen eSIM-System könnten bereits 2016 auf den Markt kommen. Ob die Mobilfunkanbieter die Freiheit zum fliegenden Wechsel am Ende unterstützen und die eSIM-Karten flächendeckend eingeführt werden, ist jedoch fraglich: Kaum ein Provider wird es begrüßen, wenn seine Kunden bei jeder Gelegenheit den Anbieter wechseln können. Das Geschäftsmodell aus Verträgen mit 24-monatiger Laufzeit und subventionierten Geräten ist dafür zu lukrativ. Bei den Gesprächen zwischen GSMA und Apple und Samsung dürfte es nicht zuletzt auch darum gehen, die eigenen Interessen abzusichern. 

Quelle: n-tv.de

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