Mittwoch, 13. Juni 2007
Risikofaktor Umwelt: 13 Millionen Tote weltweit
Die Kindersterblichkeit ist weltweit zu zwei Dritteln umweltbedingt. Das betonte die Vize-Generalsekretärin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Susanne Weber-Mosdorf, in Wien bei einer Konferenz zum Einfluss von Umweltfaktoren auf die Gesundheit von Kindern. "Insbesondere die Kinder leiden unter und sterben an umweltbedingten Krankheiten", sagte Weber-Monsdorf. "Es sind immer die gleichen Faktoren, nämlich wasserbedingte Krankheiten, Innenraum- und Luftverschmutzung." Eine gesündere Umwelt könnte nach WHO-Schätzungen insgesamt jährlich rund 13 Millionen Menschen das Leben retten.
In den armen Ländern leiden die Menschen nach einem in Genf veröffentlichten WHO-Bericht besonders stark unter schädlichen Umwelteinflüssen. So seien in 23 ärmeren Ländern der Welt zehn Prozent aller Todesfälle auf nur zwei Umweltrisiken zurückzuführen: verseuchtes Wasser einschließlich mangelnder Sanitärhygiene sowie verschmutzte Luft durch Herdfeuer im Haus. Am stärksten litten weltweit Kinder unter fünf Jahren, auf sie entfielen allein 74 Prozent aller Todesfälle wegen Durchfall- und Atemwegserkrankungen.
In der europäischen Region, zu der die WHO 53 Staaten zählt, ist die Kindersterblichkeit in Aserbaidschan am höchsten. Dort werden 90 von 1000 Kindern keine fünf Jahre alt. Die höchste Kindersterblichkeit der EU hat demnach Rumänien mit 20 von 1000 Kindern unter fünf Jahren, gefolgt von Bulgarien (15), Lettland (11) und Litauen (10). In den übrigen EU-Ländern sterben 3 bis 8 von 1000 Kindern, bevor sie das fünfte Lebensjahr vollenden.
Die WHO-Konferenz in Wien beschäftigt sich bis Freitag unter dem Motto "Die Zukunft unseren Kindern" mit der gesundheitlichen Situation der Kinder in der europäischen Region. "Es ist ethisch inakzeptabel, dass in diesem reichen Teil der Welt Menschen an Krankheiten sterben, die eigentlich längst ausgerottet sind", sagte der WHO-Direktor des Sonderprogramms Umwelt und Gesundheit, Roberto Bertollini, am Rande der Tagung.
Bei der Konferenz ziehen die Teilnehmer auf Grundlage des 2004 in Budapest beschlossenen Aktionsplans zur Reduzierung und Vermeidung umweltbedingter Erkrankungen bei Kindern Bilanz über bisherige Maßnahmen und tauschen Erfahrungen aus. Als vorrangige Ziele wurden dabei die gesicherte Versorgung mit sauberem Wasser und guten sanitären Anlagen sowie saubere Außen- und Innenraumluft, die Unfallverhütung, ausreichende Bewegung und die Vermeidung von Belastungen durch gefährliche Stoffe festgeschrieben.
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