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Donnerstag, 09. November 2006

Deutsche weltweit auf Platz 1: 16,3 Arztbesuche im Jahr

Die Deutschen gehen trotz der Einführung der Praxisgebühr weltweit am häufigsten zum Arzt. Im Schnitt brachte es jeder Bundesbürger auf 16,3 Arztbesuche im Jahr 2004, ergab eine am Donnerstag in Berlin vorgelegte Studie der Gmünder Ersatzkasse (GEK) zur ambulanten ärztlichen Versorgung. Damit liegt Deutschland den Angaben zufolge vor Japan, Tschechien, der Slowakei und Ungarn weltweit an der Spitze. Die Studie korrigierte zugleich aktuelle OECD-Erhebungen nach oben, die Deutschland auf Basis der Behandlungsfälle im Mittelfeld ansiedelt.

Ausschlaggebend für die häufigen Arztbesuche ist Experten zufolge eine falsche Struktur bei der Bezahlung der Ärzte. Da Beratungs-und Gesprächszeiten schlecht honoriert würden, entstehe ein "Hamsterradeffekt", kritisierte Friedrich Wilhelm Schwartz, Professor am Institut für Sozialmedizin in Hannover. Der Arzt müsse mehr Leistung generieren, um sich seinen Anteil am Kuchen zu sichern. Statt länger zu beraten, verschrieben Ärzte daher mehr Rezepte. Damit erhöhe sich auch die Zahl der Arztbesuche: "Das System erzwingt viele Kontakte", unterstrich Schwartz. "Wir brauchen ein System, in dem der Arzt die Freiheit hat, mit dem Patienten eine halbe Stunde zu reden, ohne sich ins ökonomische Abseits zu begeben", forderte der Experte.

Auch die steigende Zahl von Ärzten in Deutschland wurde als Faktor für den häufigen Gang zum Arzt genannt: Zwischen 1990 und 2004 stieg die Arztdichte der Studie zufolge um 40 Prozent. Derzeit sind rund 130.000 Ärzte im Bundesgebiet niedergelassen.

Die Ausgaben für die ambulante ärztliche Versorgung halten sich der Studie zufolge mit 34,6 Milliarden Euro im Jahr 2004 im Gegenzug vergleichsweise in Grenzen. Pro Kopf lag Deutschland damit im OECD-Vergleich im unteren Mittelfeld. Verteilt sind die Kosten jedoch sehr ungleich: 50 Prozent der Bundesbürger beanspruchten 2004 ihre Ärzte kaum -auf sie entfielen rund 11 Prozent der Behandlungskosten. Neun Prozent gingen gar nicht zum Arzt. Zehn Prozent der Bevölkerung -zumeist in höherem Alter -verursachten hingegen rund 36 Prozent der Arztbesuche und 43 Prozent der Behandlungskosten.
Die GEK wertete Daten von rund 1,5 Millionen Versicherten aus. Zahnärzte waren von der Untersuchung ausgenommen. GEK-Vorsitzender Dieter Hebel kritisierte, die Zahnärzte weigerten sich bislang, ihre Daten herauszugeben. Hier müsse die Politik Druck ausüben.

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