Wissen

Bei vorzeitigem SamenergussAngeborene Orgasmusstörung

23.03.2009, 09:35 Uhr

Ein vorzeitiger Samenerguss kann zumindest teilweise genetisch bedingt sein. Untersuchungen von Zwillingen und ihren Geschwistern haben ergeben, dass eine verfrühte Ejakulation angeboren sein kann.

Ein vorzeitiger Samenerguss (Ejakulation) kann zumindest teilweise genetisch bedingt sein. Untersuchungen von Zwillingen und ihren Geschwistern haben ergeben, dass eine verfrühte Ejakulation angeboren sein kann, teilt der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) auf seiner Internetseite mit. Das Alter hat dagegen nur einen geringen Einfluss. Finnischen Medizinern zufolge beträgt die erbliche Komponente bei einer zu frühen Ejakulation rund 30 Prozent. Bei eineiigen Zwillingen mit identischen Genen sind demnach in jedem dritten Fall beide Zwillinge betroffen, wenn einer der beiden Geschwister unter einem vorzeitigen Samenerguss leidet (International Journal Impotence Research 2009). Zudem steigt nach Angaben der Forscher die Wahrscheinlichkeit dafür mit dem Alter nur leicht an.

Die verantwortlichen Gene selbst sind allerdings noch unbekannt. "Diese Studie belebt erneut die Diskussion über die Ursachen dieser Sexualstörung. Im eigentlichen Sinne handelt es sich ja nicht um eine Ejakulations-, sondern um eine Orgasmusstörung, als deren Folge es zum vorzeitigen Samenerguss kommt", sagt Prof. Frank-Michael Köhn, Androloge in München.

Auch Psyche und chronische Erkrankungen sind beteiligt

Das Ergebnis zeigt, dass neben einer natürlichen Veranlagung weitere Faktoren eine Rolle spielen müssen. Es scheint verschiedene Formen der vorzeitigen Ejakulation oder besser des vorzeitigen Orgasmus zu geben, mit jeweils unterschiedlichen Ursachen. Einen wichtigen Einfluss haben sicherlich psychogene Faktoren, aber auch Erkrankungen wie Diabetes oder Multiple Sklerose können einen verfrühten Samenerguss zur Folge haben. Wie viele Männer von einem vorzeitigen Samenerguss betroffen sind, darüber gehen die Expertenmeinungen auseinander: Je nachdem, welche Diagnose und Erkrankungskriterien zugrunde gelegt werden, reichen die Schätzungen von 3 bis 30 Prozent. Trotz dieser Zahlen wird diese Sexualstörung zu selten von Patienten oder behandelnden Ärzten thematisiert, obwohl es durchaus wirkungsvolle Therapieansätze gibt.

"Befragungen von Patienten belegen, dass sie sich häufig nicht trauen, ihre Sexualstörungen im Kontakt mit ihren Hausärzten anzusprechen, sich aber eigentlich eine Behandlung wünschen würden", so Prof. Köhn. Behandlungsmöglichkeiten umfassen die klassische sexualmedizinische Therapie mit Einbindung der Partnerin (z.B. "Start-Stopp-Technik"), aber bei Bedarf auch die Anwendung örtlich betäubender Cremes oder Einnahme von Medikamenten wie Serotonin-Wiederaufnahmehemmern. "Bei diesen Medikamenten müssen aber die möglichen Nebenwirkungen unbedingt beachtet sowie vorher das Nutzen-Risiko-Verhältnis abgewogen werden", rät Prof. Köhn.