Sonntag, 19. März 2006
Ruf nach Vorbeugeprogrammen: Arbeitslose eher krank
Ärzte und Wissenschaftler aus dem Gebiet der psychosomatischen Medizin fordern mehr staatlich unterstützte Vorbeugeprogramme für Stress-Risikogruppen. "Vor allem Arbeitslose und allein erziehende Mütter sind die Betroffenen des gesellschaftlichen Wandels seit der politischen Wende, ganz besonders in Ostdeutschland", sagte Professor Jörg Frommer zum Abschluss der 57. Jahrestagung des Deutschen Kollegiums für Psychosomatische Medizin in Magdeburg. Sachsen-Anhalt sei eines der mit Therapieplätzen am stärksten unterversorgten Bundesländer.
Zu dem dreitägigen Kongress trafen sich 350 Experten aus dem deutschsprachigen Raum und diskutierten, wie sich der gesellschaftliche Wandel auf die Gesundheit der Bevölkerung auswirkt. "Wachsende Armut, hohe Arbeitslosigkeit, sozialer Abstieg, drastische demographische Veränderungen und die Globalisierung wirken sich sichtbar auf den Gesundheitszustand der Menschen aus und stellen die psychosomatische Medizin vor neue Aufgaben", sagte Frommer. Forschungen hätten ergeben, dass unerwartet und schnell hereinbrechende Veränderungen hohen Stress mit biologischen Konsequenzen auslösen. "Das geht bis hinunter auf die zelluläre Ebene im Körper und äußert sich beispielsweise in erhöhter Entzündungsanfälligkeit, Bluthochdruck und Herzrasen."
Von diesen Symptomen, begleitet von Übergewicht, Nikotin- und Alkoholabhängigkeit, seien überwiegend die unteren sozialen Schichten betroffen. Frommer: "Unsere Untersuchungen haben ergeben, dass die Armen und Benachteiligten in der Gesellschaft kürzer und weniger gesund leben als die Wohlhabenden." Diese Risikogruppen bräuchten dringend mehr Hilfe durch Selbsthilfegruppen und Therapieangebote.
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