Freitag, 29. Februar 2008
Wachsbüste für Ausstellung: Bach-Antlitz rekonstruiert
Fast 260 Jahre nach dem Tod von Johann Sebastian Bach (1685-1750) ist sein Antlitz neu erstanden. Die schottische Wissenschaftlerin Caroline Wilkinson hat im Auftrag des Bachmuseums Eisenach das Gesicht des Barockmusikers rekonstruiert, der in der Wartburgstadt geboren wurde. So oder ähnlich hat der weltberühmte Musiker und Komponist wahrscheinlich ausgesehen: Ein bisschen dicklich im Gesicht und vorerst ohne die gewohnte Perücke, präsentiert er sich nach der gerichtsmedizinischen Rekonstruktion. Wilkinson hat in einem komplizierten Verfahren am Computer nach dem Bronzeabguss von Bachs Schädel zuerst die Muskelstränge, dann die Fettschichten rekonstruiert.
Wie der berühmte Musiker zum Ende seines Lebens hin wohl aussah, war bisher nur von einem 1746 gemalten Gemälde von Elias Gottlob Haußmann abzulesen. Es ist nach Angaben von Eisenachs Museumsdirektor Jörg Hansen das einzige überlieferte Bild, für das Bach selbst Modell gesessen hat. Eine gewisse Ähnlichkeit ist schon
1894 waren die Gebeine des Komponisten ausgegraben worden, weil der Friedhof in Leipzig dem Neubau der Johanniskirche weichen mussten. "Wir sind uns heute sehr sicher, dass es sich um Johann Sebastian Bach gehandelt hat." Überliefert war die Stelle, wo der Komponist und Thomaskantor in einem Eichensarg beerdigt wurde. "Außerdem wies das Skelett die typischen Berufskrankheiten eines Organisten auf - Verknöcherungen an den Fersen und am Becken durch die freihängenden Beine seit frühester Jugend." Zwar hätten auch Kutscher solche Schädigungen. "Allerdings wurde ein Kutscher wohl kaum in einem Eichensarg beerdigt."
"Wir sind gespannt, wie das Gesicht des in Eisenach geborenen Musikers ausgesehen hat", sagte der Museumsdirektor. Der Komponist habe nachweislich nur für das Porträt von Elias Gottlob Haussmann Modell gesessen und der habe den gesamten Rat von Leipzig gemalt. "Und das ist unser Kreuz mit dem Bild." Entsprechend ungenau seien bei dieser "Fließbandarbeit" von Haussmann viele Details wie Hände, Kleidung, Frisur. Bachs Sohn Carl Philipp Emanuel habe den Kupferstich von Samuel Küttner aus dem Jahr 1774 als ziemlich ähnlich seines "selig Vaters Porträt" bezeichnet. "Es ist aber das hässlichste überlieferte Bild von Bach", sagte Hansen.
Während die Gesichtszüge durch den Muskelaufbau wohl relativ authentisch rekonstruiert werden können, werden Bachs Haar-, Augen- und Gesichtsfarbe ein Geheimnis bleiben. "Es wird der Fantasie überlassen werden." Die Farbe der Augen von Johann Sebastian Bach sei in den Gemälden mal blau, mal braun. "Bei den Haaren orientieren wir uns an der damaligen Mode. Ein Spezialist aus München wird die Perücke aus Pferdehaar nachbilden."
Bis zum 9. November wird die Ausstellung im Eisenacher Bachhaus, dem ältesten Museum für Johann Sebastian Bach, zu sehen sein. Sie beschäftigt sich auch mit der Augenoperation Bachs durch den "fahrenden Ritter" John Taylor, an deren Folgen der Musiker am 28. Juli 1750 starb.
Wissen
-
Winzige Amphibie
Leuchtend gelber Frosch entdeckt
-
Model im 21. Jahrhundert?
Sixtina wäre chancenlos
-
Fundsache, Nr. 1113
Zauber an der Höhlenwand
-
Die historische Perspektive
Nebenprodukt in Vielvölkerreichen
-
Die Migrantinnen-Perspektive
Hosgörü meint Wohlwollen
-
Die jüdische Perspektive
Unterschiede können uns stärken
-
Die philosophische Perspektive
Toleranz hielt Zivilisation am Leben
-
Die politische Perspektive
Toleranz meint auch Verständnis
-
Toleranz ist nicht das Ziel. Oder doch?
Was es heißt, tolerant zu sein
-
Zahl der Erkrankungen gestiegen
Keuchhusten ist gefährlich
-
Frage & Antwort, Nr. 227
Sind Hochbetten zu gefährlich?
-
Fukushima-Folgen
Verstrahlte Fische vor US Küste