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Ende des Hippie-MythosBonobos können auch anders

23.10.2008, 09:24 Uhr

In der Forschung müssen offenbar einige Kapitel über die mit den Schimpansen verwandten Bonobos neu geschrieben werden. So friedlich, wie bislang angenommen, sind sie gar nicht.

Sie begrüßen sich mit Sex, lösen Konflikte mit Sex und versöhnen sich mit Sex - doch die gerne als Pazifisten gerühmten Bonobos (Pan pansicus) können scheinbar auch anders: Einer neuen Untersuchung zufolge machen Männchen wie Weibchen Jagd auf andere Primaten, töten und verspeisen sie. Dies berichten Martin Suhrbeck und Gottfried Hohmann vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig im Fachmagazin "Current Biology".

Ihre Beobachtung stelle auch die Ansicht infrage, dass männliche Dominanz und physische Gewalt dafür verantwortlich sind, wenn Affen Jagd auf andere Affen machen - bei den Bonobos besitzen die Weibchen einen höheren Sozialstatus.

Die Wissenschaftler hatten fünf Jahre lang eine Gruppe Bonobos im Salonga Nationalpark in der Demokratischen Republik Kongo begleitet und die Tiere insgesamt fünf Mal direkt bei der Jagd auf Affen beobachtet. In drei Fällen erbeuteten die Bonobos ein Jungtier und fraßen dieses anschließend gemeinsam auf. In zwei Fällen endete die Jagd erfolglos. Die Tiere schlichen sich bei der Jagd zunächst lautlos an eine in den Bäumen sitzende Affengruppe an und verteilten sich dann strategisch unterhalb der Bäume. Zweimal sahen die Forscher, wie plötzlich ein Bonobo aus der Gruppe hervorpreschte und auf den Baum jagte, um einen der Affen zu fangen. War der Versuch erfolgreich, behielt das Tier den toten Körper des Opfers für sich. Bittsteller bekamen Stücke der Beute zugeteilt. Der Jäger tolerierte aber auch Jagdgenossen, die direkt an dem Kadaver fraßen.

Wie die Schimpansen

Derartige Gemeinschaftsjagden auf andere Primaten waren bisher nur von den nächsten Verwandten der Bonobos, den Schimpansen (Pantroglodytes) bekannt. Einen ersten Verdacht, dass die gemeinhin als friedliebend beschriebenen Bonobos möglicherweise ebenfalls Affen jagen, hatten Forscher aber nach dem Fund eines Affenfingers in Bonobofäkalien geäußert. Es war aber unklar, ob dieses Tier - ein Schopfmangabe (Cercocebus aterrimus) - von den Bonobos selbst gejagt oder möglicherweise einem anderen Jäger abgeluchst worden war.

Sowohl bei den Schimpansen als auch bei den Bonobos sei die Jagd auf andere Affen ein recht seltenes Ereignis, heißt es in der Studie. Dies erkläre auch, warum sie bei letzteren bisher nicht beobachtet worden sei. Anders als bei den Schimpansen sind bei den Bonobos auch die Weibchen an der Jagd beteiligt. Möglicherweise spiele die gemeinsame Jagd eine Rolle bei der Bildung von Allianzen und der Kooperation unter den Weibchen.