Die bronzene Himmelsscheibe mit Goldauflagen zeigt die älteste konkrete Sternenabbildung der Welt.
(Foto: dpa)
Mittwoch, 12. Mai 2010
Himmelsscheibe von Nebra: Das Gold kommt aus England
Das Gold der 3600 Jahre alten Himmelsscheibe von Nebra in Sachsen-Anhalt stammt nach neuesten Erkenntnissen aus England. "Die geochemische Zusammensetzung des Himmelsscheibengoldes stimmt mit dem Gold aus dem Fluss Carnon in Cornwall überein", sagt der Geo-Archäologe Gregor Borg von der Universität Halle. Bislang galt Rumänien als Lieferant. Die bronzene Himmelsscheibe mit Goldauflagen zeigt die älteste konkrete Sternenabbildung der Welt. Zusammen mit anderen Bronzestücken hatten inzwischen verurteilte Raubgräber die Scheibe 1999 auf dem Mittelberg bei Nebra gefunden. 2002 war sie in der Schweiz sichergestellt worden und ist jetzt in Halle ausgestellt.
Eine Forschergruppe um Borg hatte rund 300 Goldlagerstätten in ganz Europa untersucht. Dabei hatte die Gruppe, zu der auch der Archäometallurge Ernst Pernicka aus Tübingen und die Geologin Anja Ehser aus Halle gehört, England als Goldlieferant ausgemacht. "Die bronzezeitlichen Kulturen in England und Mitteldeutschland hatten offenbar viel engere Beziehungen als bislang angenommen", sagte Borg.
Natürliche Goldvorkommen untersucht
Bronze ist eine Legierung, die hauptsächlich aus Kupfer und einem geringen Anteil an Zinn besteht. Dass das Zinn aus Cornwall stammt, hatten die Forscher schon Ende 2009 bekannt gegeben. Die These, dass das Gold aus Rumänien kommen könnte, basierte auf Untersuchungen archäologischer Funde. "Das ist aber verarbeitetes Gold. Wir haben jetzt die natürlichen Goldvorkommen weiter Teile Europas untersucht", sagte Borg. Zugleich sei bestätigt worden, dass das Kupfer für die Bronzescheibe aus der Region Mitterberg bei Bischofshofen in Österreich stammt.
Auf der fast kreisrunden Scheibe mit einem Durchmesser von 32 Zentimetern befinden sich goldene Abbildungen, die als Horizontbogen, Schiff, Mond, Sonne und Sterne gedeutet werden. Sie wurde nach Erkenntnissen der Archäologen als Kultobjekt sowie als kombinierter Sonnen- und Mondkalender genutzt. Die Materialuntersuchungen an der Himmelsscheibe gehören zu einem seit 2005 laufenden weltweiten Forschungsprojektes zur Bronzezeit.
dpa
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