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Gigantischer AbbruchEispanzer schrumpft

26.03.2008, 08:17 Uhr

Bereits am 28. Februar brach zunächst ein 41 mal 2,5 Kilometer großer Eisberg von der Südwestseite des Wilkins- Schelfeises ab. Dadurch ausgelöst sei dann eine Eisfläche von 405 Quadratkilometern auseinandergebrochen.

In der Antarktis ist ein gigantischer Eisberg aus dem Schelfeis gebrochen. Er habe eine Größe von 41 mal 2,5 Kilometern, teilte das US-Eis- und Schneedatenzentrum (NSIDC) in Boulder mit. Schelfeis schwimmt auf dem Meer, ist aber fest mit dem Eis an Land verbunden. Der Eisklotz habe sich bereits am 28. Februar von der Südwestseite des Wilkins-Schelfeises gelöst. Dadurch sei danach eine Eisfläche von 405 Quadratkilometern auseinandergebrochen. Damit hat sich insgesamt Eis von rund 500 Quadratkilometern, etwa der doppelten Fläche der Stadt Frankfurt/Main, abgelöst.

Die Forscher machen den Klimawandel für den raschen Zerfall des Eisschildes verantwortlich. In den vergangenen 50 Jahren sei in der Region mit durchschnittlich einem halben Grad Celsius pro Jahrzehnt der stärkste Temperaturanstieg weltweit verzeichnet worden. "Wir glauben, dass das Wilkins (-Schelfeis) schon seit mindestens ein paar hundert Jahren dort war. Aber warme Luft und die Einwirkung der Meeresbrandung verursachen ein Abbrechen", sagte der führende NSIDC-Wissenschaftler Ted Scambos. Das Wilkins-Schelfeis liegt rund 1000 Kilometer vor der Südspitze Südamerikas an der südwestlichen antarktischen Halbinsel.

Nur ein dünner Streifen intakten Eises verhindere jetzt noch, dass es zu weiteren Abbrüchen an dem insgesamt mehr als 13.000 Quadratkilometer großen Eispanzer komme, berichtete das Datenzentrum. Wissenschaftler studieren den Abbruch von Schelfeis besonders gründlich, weil dadurch beeinflusste küstennahe Gletscher den Meeresspiegel steigen lassen könnten. "Im Fall des Wilkins-Schelfeises wird der Meeresspiegel nicht angehoben, weil es sowieso schon auf dem Ozean schwimmt", so Scambos. In den nächsten Monaten sei außerdem kein weiteres Schmelzen mehr zu erwarten, da die Sommerperiode auf der Südhalbkugel vorbei sei. "Im kommenden Januar werden wir sehen, ob das Wilkins weiter auseinanderbricht."

"Nicht so dramatisch"

Der Frankfurter Klimaforscher Prof. Christian Schönwiese bezeichnete den Eisbruch in der Antarktis als "nicht so dramatisch". Die Fläche, die sich vom Schelfeis gelöst habe, sei gar nicht so besonders groß, sagte Schönwiese am Rande des Hamburger "Extremwetter-Kongresses", der am Mittwoch begann. Im März 2000 hatte sich vom Ross-Eisschelf eine 11.655 Quadratkilometer große Eisfläche gelöst.

Auch sei der Eisbruch kein Indiz dafür, dass das Eis am Südpol schmelze, betonte Schönwiese. Es könnte sogar sein, dass die Eismasse in der Antarktis zunehme und der Abbruch eine Art "Kalbungsprozess" sei. Der Rand könne auch durch starken Eisschub weggebrochen sein, meinte der Professor. Ganz anders als am Nordpol bestehe nach seiner Überzeugung für das antarktische Eis auf absehbare Zeit kaum die Gefahr des Wegschmelzens. Das Eis auf dem antarktischen Festland schmilzt vor allem in der relativ kleinen Westregion des Kontinents.

Schmelzendes Eis in der Antarktis gefährdet nach Ansicht des deutschen Polarexperten Arved Fuchs den Bestand von Pinguinen und Walen. "Wale und Pinguine ernähren sich von Krill (Kleinkrebsen). Wenn das Eis schmilzt, gibt es weniger Algen, die unter dem Eis wachsen und damit auch weniger Krill", sagte der Abenteurer und Buchautor.