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1400 Kilometer "Grünes Band"Ex-Grenze ist Naturparadies

12.03.2009, 11:26 Uhr

Wo eine unüberwindbare Grenze Ost und West jahrzehntelang teilte, hat sich bis heute ein Naturparadies erhalten. Knapp 1400 Kilometer erstreckt sich das "Grüne Band" als einzigartiger Biotopverbund von der Ostsee bis zum Vogtland.

Der Rauhfußkauz singt im Buchenwald. Der Fischotter tummelt sich im Moor und der Frauenschuh - eine der schönsten Orchideen Deutschlands - reckt rotgelbe Blüten gen Himmel. Wo eine unüberwindbare Grenze Ost und West jahrzehntelang teilte, hat sich bis heute ein Naturparadies erhalten. Knapp 1400 Kilometer erstreckt sich das "Grüne Band" als einzigartiger Biotopverbund von der Ostsee bis zum Vogtland und bietet etwa 600 bedrohten Pflanzen und Tieren einen Lebensraum. Für die Natur war das unmenschliche Grenzregime mit Mauer, Stacheldraht und Schießbefehl ein Segen.

"Viele Biotope direkt am früheren Todesstreifen, aber auch im einst für die meisten Menschen unzugänglichen DDR-Sperrgebiet konnten sich weitgehend unberührt von menschlichen Eingriffen entwickeln", erläutert Liana Geidezis vom Projektbüro Grünes Band des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND). Seit der Grenzöffnung im November 1989 verfolgt der Verband mit zahlreichen Mitstreitern das Ziel, dieses Refugium für Tiere und Pflanzen zu erhalten und mit anderen Lebensräumen zu vernetzen. Mit Erfolg: Gut 17.000 Hektar umfasst das "Grüne Band", 85 Prozent davon sind noch intakt und nicht neuen Straßen, Gewerbegebieten oder Äckern zum Opfer gefallen.

109 verschiedene Biotope

"Das ist ein ganz großer Gewinn für Deutschland", sagt Karin Ullrich vom Bundesamt für Naturschutz. 109 verschiedene Biotope - also Lebensräume - haben die Experten im "Grünen Band" festgestellt, von Feuchtgebieten über Wiesen bis zu sogenannten Zwergstrauchheiden. Das sind Areale, auf denen die DDR-Grenztruppen einst Bäume fällten, um freie Sicht auf die Grenze und etwaige Flüchtlinge zu haben. "Jede Fläche für sich ist bereits wertvoll, doch eine solche Verbindung so vieler Lebensräume gibt es sonst kaum noch." Fast die Hälfte des früheren Grenzstreifens umfasse gefährdete Biotope und stehe unter Schutz.

Eigentumsverhältnisse bilden das Hauptproblem

Hauptproblem beim Erhalt dieses Schatzes sind die Eigentumsverhältnisse. Ein Drittel gehörte Privatleuten und Kommunen, zwei Drittel dem Bund. Dieser erklärte vor sechs Jahren, die Flächen den Ländern zu überlassen und nicht weiter an private Interessenten zu verkaufen. Doch weil die Länder Personalkosten etwa für Förster übernehmen sollten und die Zuordnung von Flächen teilweise kompliziert ist, zieht sich der Prozess bis heute hin. "Bisher hat nur Thüringen, das mit 763 Kilometern den größten Anteil am Grünen Band hat, knapp 3900 Hektar vom Bund übernommen", sagt Geidezis. "Im Juni folgt Sachsen, und dann hoffentlich bald auch die anderen Länder."

Sachsen-Anhalt macht Hoffnung, hier ist die Übernahme der Flächen nach den Worten von Umweltministerin Petra Wernicke (CDU) auf gutem Weg. Noch sei die Verfahrensweise jedoch nicht für alle 338 Flurstücke geklärt, die teils unterschiedlichen Bundesinstitutionen gehörten. Der BUND selbst sammelt Spenden und kauft Flächen von Privatleuten auf, bisher 400 Hektar. "So ist es gelungen, zum Beispiel Äcker zu renaturieren", schildert Geidezis.

Seit 2005 Nationales Kulturerbe

2005 nahm die Bundesregierung das "Grüne Band" in das Nationale Naturerbe auf. Aus ihrer Sicht ist der Biotopverbund gleich doppelt schützenswert: Er sei eine großartige Landschaft, aber auch ein Platz der Erinnerung an die deutsche Teilung, sagt Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD). Auch Wernicke sieht darin ein wertvolles Naturerbe und politisches Symbol gleichermaßen.

Genau diese Doppelfunktion greift das 2007 gestartete Vorhaben "Erlebnis Grünes Band" auf. Finanziell unterstützt vom Bund, werden in drei Modellregionen Projekte entwickelt, um Natur und Historie des früheren Grenzstreifens für Touristen erlebbar zu machen. "Im Harz liegt der Schwerpunkt auf Angeboten für Wanderer", sagt Andreas Lehmburg vom Harzer Verkehrsverband, dem regionalen Träger eines der Modellvorhaben. Diese könnten den 100 Kilometer langen "Harzer Grenzweg", den früheren Kolonnenweg der DDR-Grenzer, erkunden oder sich auf einem Luchspfad auf die Spuren der Raubkatze begeben.

Quelle: Stefan Kruse, dpa