Samstag, 19. Dezember 2009
"Myzopoda" haften an glatten Flächen: Fledermäuse mit Schweißfüßen
Eine bislang kaum untersuchte Fledermaus auf Madagaskar kann sich allem Anschein nach mit ihren schweißfeuchten Füßen an glatten Flächen halten.
Die meisten der bekannten Fledermausarten hängen in der Ruhephase kopfüber von der Decke.
(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)
Dabei saugt sie sich nicht fest, sondern hält durch Adhäsion, die etwa auch ein nasses Blatt Papier an einer Glasscheibe fixiert. Das berichtet Daniel Riskin von der Brown University in Providence. Seine Ergebnisse sind im "Biological Journal of the Linnean Society" nachzulesen.
Haftung ohne Vakuum
Rund 1200 Fledermausarten sind bekannt, nur 6 von ihnen ruhen mit dem Kopf nach oben. Dazu gehört die Art Myzopoda aurita. Sie ist selten und bereits stark gefährdet, berichtet die Weltnaturschutzunion IUCN. Bislang wurde angenommen, dass die Tiere sich mit ihren etwas verbreiterten Vorderfüßen regelrecht an glatten Flächen festsaugen - ähnlich einem Saugnapf. Dieses Prinzip, so lautete die Vermutung, sollte an einer Fläche mit feinen Bohrungen nicht funktionieren, weil kein Vakuum entstehen kann.
Die Tiere hafteten in entsprechenden Experimenten aber dennoch. Vermutlich, so erklärt das Team, sondern die Tiere einen feinen Flüssigkeitsfilm - eben Schweiß - an den Unterseiten ihrer Füße ab. Dann käme die Adhäsion ins Spiel, feine Wechselwirkungen zwischen Flüssigkeiten und Festkörpern. Diese halten Wassertropfen an einer Scheibe - und vermutlich auch die Fledermäuse. "Myzopoda bedeutet Saugfuß. Aber man kann die lateinischen Namen nicht ändern, daher wird er an dem Tier haften bleiben", schreiben die Forscher.
"Baum der Reisenden"
Als Riskin versuchte, die haftenden Fledermäuse nach unten zu schieben, stieß er auf sehr großen Widerstand. Zudem beobachtete er, dass die Tiere die Kontaktfläche ihres Fußes mit der Unterlage verkleinerten, bevor sie den Fuß von der Unterlage lösten. In ihrer natürlichen Umgebung haften die Flattertiere an den großen, glatten Blättern des "Baums der Reisenden" (Ravenala madagascariensis).
dpa
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