Körpereigene AlarmanlageGehirn sieht Fehler vorher
Auch wenn professionelle Pianisten Klavier spielen, schlagen sie zuweilen die falsche Taste an. Dass gleich ein falscher Ton erklingt, erkennt das Gehirn dann schon, bevor die Taste gedrückt ist.
Greift ein Pianist daneben, hat sein Gehirn den Fehler bereits registriert, bevor überhaupt der falsche Ton erklingt. Das haben Forscher des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig und des Instituts für Psychologie der Universität Sussex in Großbritannien herausgefunden, teilt die Max-Planck-Gesellschaft in München mit.
Die Wissenschaftler vermuten eine Art Alarmanlage im Gehirn. Offenbar macht das Hirn schon früh Vorhersagen darüber, welches Ergebnis eine Handlung bewirken wird. Steht die Vorhersage dabei im Widerspruch zum eigentlichen Handlungsziel, kann das Gehirn den Fehler bereits entdecken, bevor er überhaupt produziert worden ist.
Die Forscher untersuchten das Fehlerüberwachungssystem des Hirns bei Pianisten während des Klavierspielens. Die Testpersonen waren professionelle Musiker mit jahrzehntelanger Erfahrung. Für das Experiment mussten sie aus dem Gedächtnis wieder und wieder verschiedene Tonfolgen beidhändig reproduzieren. Ihre Hirnaktivität beim Spielen wurde dabei mit Hilfe der Elektroenzephalographie (EEG) überwacht, die Schwankungen der elektrischen Potenziale im Hirn durch Elektroden an der Kopfhaut aufgezeichnet. Das Ergebnis: Das Hirn schien den Fehler schon eine Zehntelsekunde zu erkennen, bevor die Pianisten die falsche Taste drückten. Grundlage dieser frühen Fehlererkennung sind wahrscheinlich neuronale Mechanismen.