Montag, 05. Januar 2009
Ausgeglichener Tauschhandel: Gerechte Orang-Utans
Er besitzt etwas, das sie braucht. Auch sie hat was, das er benötigt. Also tauschen sie und achten darauf, dass es dabei gerecht zugeht. Das Erstaunliche: Die beiden "Geschäfts"partner sind zwei Orang-Utans im Leipziger Zoo. Wissenschaftler von der Universität St. Andrews in Schottland haben mit dieser Beobachtung nach eigenen Angaben erstmals gezeigt, dass sich nicht nur der Mensch auf den fairen Tausch von Gütern versteht.
Der männliche 26-jährige Bim und die weibliche 15-jährige Dokana bekamen von den Wissenschaftlern Bananen, wenn die Tiere ihm bestimmte Wertmarken aushändigten. Jedoch teilte ein grobmaschiges Netz den Raum in zwei Teile. In Bims Hälfte lagen nur Gegenstände, die Dokana gegen Futter tauschen konnte. Dokanas Gegenstände hingegen brachten nur Bim einen Futtergewinn. Daher waren die Tiere gezwungen, ihre Gegenstände miteinander zu tauschen. Anfangs forderte das Männchen lediglich Wertstücke ein, gab jedoch nur wenige zurück.
Weibchen erst zurückhaltend
Zum Ende der Studie hingegen waren die Tauschgeschäfte zwischen Männchen und Weibchen gerecht verteilt, berichtet die Gruppe um Valrie Dufour in den "Biology Letters". Es gab noch weitere Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Das Männchen zeigte auf die Objekte, die es haben wollte, und forderte das Weibchen so auf, ihm diese zu geben. Dokana artikulierte sich hingegen nur selten mit Gesten.
Zu Beginn der Studie gehorchte sie bereitwillig und gab Bim die von ihm geforderten Gegenstände, obwohl sie nur selten etwas zurück erhielt: Für mehr als 40 ihrer Wertmarken erhielt sie etwa 5 der für sie interessanten Gegenstücke. Mit zunehmender Wiederholung des Versuchs ging es immer gerechter zu: Sie "fügte sich nicht mehr all seinen Aufforderungen, vielleicht, um das Männchen dazu zu zwingen, auch ihr Wertmarken zu geben", schreiben die Wissenschaftler. Bim besann sich daraufhin und rückte mehr seiner Gegenstände heraus. Im 4. und letzten Versuchsteil erhielt Dokana für 25 Wertmarken 15 zurück. Dokanas jugendlicher Sohn Pag leistete seiner Mutter in dem Versuch Gesellschaft. Unerwarteterweise beteiligte auch er sich nach kurzer Zeit an dem Handel und tauschte mit Bim Gegenstände.
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