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Chance für Männer zweiter WahlGrasnadeln tricksen bei Eiablage

25.02.2010, 13:24 Uhr

Es klingt verrückt, aber die weibliche Grasnadeln umgehen das Gesetz des Stärkeren, indem sie dafür sorgen, dass auch die Eier, die von schwächeren Männchen befruchten werden, gut gedeihen können. Sie versorgen diese einfach mit extra Proteinen.

Grasnadel
Auch wenn sie nicht so aussehen, die Grasnadeln sind Fisch. (Foto: Massimiliano De Martino, wikipedia)

Wie alle anderen Tiere sucht auch die stricknadeldünne weibliche Grasnadel ein möglichst großes und starkes Männchen. Aber nicht immer steht ein solcher Wunschpartner in den Seegraswiesen vor den europäischen Küsten auch zur Verfügung. Um ihren Eiern trotz eines Vaters zweiter Wahl beste Startbedingungen zu geben, versorgen diese Weibchen ihre Eier mit einer Extraportion Protein. Das berichten schwedische Biologen in den "Proceedings" der britischen Royal Society.

Bei den Grasnadeln (Syngnathus typhle) sind die Männchen für die Aufzucht der Jungen verantwortlich, die sie in der ersten Zeit ihrer Entwicklung in einer Bauchtasche umhertragen. Daher ist es für die Weibchen nicht nur wegen der Erbanlagen, sondern auch wegen der weiteren Aufzuchtchancen wichtig, ihre Nachkommen mit möglichst starken Männchen zu haben, berichtet Ines Braga Goncalves von der Universität Göteborg.

Die Biologin fing Grasnadeln aus den Seegraswiesen vor der Forschungsstation Kristineberg an der schwedischen Westküste. In Aquarien setzte sie die Weibchen abwechselnd zu verschieden großen Männchen und untersuchte nach erfolgreicher Paarung die Eier in deren Bauchtasche. Dabei stellte sie fest, dass im Schnitt gleich viel Eier gleicher Größe und gleichem Fettgehalt abgelegt wurden. Im Proteingehalt unterschieden sie sich jedoch deutlich: Eier mit kleineren Männchen enthielten deutlich mehr Eiweiß als solche mit großen.

Ausgleich durch zusätzliche Proteine

Nach der Theorie sollten Weibchen mehr Energie in die Eier investieren, wenn sie den optimalen Partnern haben. Die Grasnadeln geben aber auch Schwächeren eine Chance. Durch die Zusatzportion Protein kompensieren sie dann die nicht optimalen Aufzuchtbedingungen, die ihnen der kleinere Partner bietet, erklärt die Forscherin.

Eine Ursache für diesen Mechanismus könnte ein Männermangel bei Grasnadeln sein. Vielleicht produzierten die Weibchen ihre Eier aber auch schneller, als Männchen sie ausbrüten können. Damit sei es sinnvoll, auch in minderwertigere Männchen zu investieren.

Quelle: dpa