Möglicherweise keine RettungHIV-Impfstofftest abgebrochen
Noch vor dem Start der Testphase hat die US-Gesundheitsbehörde die Erprobung eines Impfstoffes gegen das Aidsvirus gestoppt. Ein ähnliches Präparat hatte in der Praxis versagt.
Die US-Gesundheitsbehörden haben einen großen Impfstofftest gegen das Aidsvirus gestoppt, noch bevor er begonnen hatte. Das hat das National Institutes of Health (NIH) in Bethesda (US-Staat Maryland) mitgeteilt. Das Präparat Pave 100 (Partnership for AIDS Vaccine Evaluation 100) sollte die natürlichen Killerzellen des Menschen auf die von HIV infizierten Zellen des Körpers "hetzen" und zerstören.
Ganz ähnlich sollte auch der vom Pharmakonzern Merck produzierte Impfstoff V520 wirken – aber der Versuch schlug fehl. Eine Studie mit 3000 Teilnehmern in den USA wurde daraufhin im vergangenen Jahr abgebrochen. Die Hoffnung auf einen Impfstoff hatte damit einen weiteren heftigen Tiefschlag erlitten. Schon die erste Analyse der Zwischenergebnisse war niederschmetternd: V520 verhinderte keine Infektionen mit HIV. Und bei den Infizierten verringerte es nicht die Zahl der Viren. Die US-Behörden hatten diesen Versuch mitfinanziert.
Nach Fehlschlag mit V520 gestoppt
Im Lichte der Merck-Resultate stoppten sie nun den geplanten, ähnlichen Versuch mit Pave 100. Dabei wäre mehr als 8000 Probanden zunächst die Erbinformationen für einige Proteine des HI-Virus gespritzt worden, damit der Körper diese Proteine bildet und das Immunsystem darauf reagieren kann. Später hätte ein abgeschwächtes Schnupfenvirus mit HIV-Proteinen das Immunsystem weiter reizen sollen ("prime-boost-Verfahren").
Nun soll zunächst in einer kleinen Gruppe von Probanden geprüft werden, ob der Impfstoff überhaupt wirkt, um dann über eine mögliche Ausweitung des Versuchs zu entscheiden. "Ein HIV-Impfstoff bleibt weiter unsere größte Hoffnung, um die HIV-Pandemie zu stoppen", hieß es bei den NIH. 27 Jahre nach dem ersten Bericht über die Immunschwäche gibt es allerdings keinen aussichtsreichen Impfstoff-Kandidaten. Der Direktor des US-Instituts für Infektionskrankheiten, Anthony Fauci, der die US-Studie nun stoppte, betonte kürzlich im "New England Journal of Medicine": "Um brutal ehrlich mit uns selbst zu sein, müssen wir der Möglichkeit ins Auge sehen, dass wir niemals einen Impfstoff gegen HIV finden könnten." Doch er bekräftigte: "Wir geben nicht auf."