Volkskrankheit InkontinenzHäufig verschwiegen
Die meisten Betroffenen wissen nicht, dass Inkontinenz eine Volkskrankheit ist. Den Gang zum Arzt treten sie erst dann an, wenn sie die Symptome nicht mehr verheimlichen können.
Sieben Million Menschen in Deutschland sind von Inkontinenz betroffen. Der 1. Deutsche Kontinenztag am 30. Juni 2007 will ihnen zeigen, dass sie weder mit ihrem Problem alleine stehen, noch sich damit abfinden müssen. Unter der Schirmherrschaft von Familienministerin Dr. Ursula von der Leyen finden an diesem Tag in allen Landeshauptstädten offizielle Informationsveranstaltungen für Betroffene statt. So genannte Kontinenzzentren und Selbsthilfegruppen in vielen anderen Städten Deutschlands bieten ebenfalls Vorträge an. Dr. Jörg Neymeyer vom Berliner Kontinenzzentrum freut sich über die Initiative zur Enttabuisierung: „Die wenigsten Menschen wissen, dass Inkontinenzprobleme meist gut behandelbar und vielen Fällen gänzlich geheilt werden können. Die Menschen müssen den Weg zum Arzt finden, dann können wir ihnen auch weiter helfen.
Mehr Frauen als Männer sind betroffen
Frauen sind deutlich stärker betroffen als Männer. Eine von drei Frauen leidet unter unwillkürlichem Harn- oder Stuhlverlust. 80 Prozent der Frauen zwischen 20 und 75 Jahren leiden unter Harninkontinenz - unwillkürlichem Urinverlust. Bei Männern sind es immerhin 10 Prozent. Ebenfalls 10 Prozent aller Frauen und Männer leiden unter Stuhlinkontinenz.
Ein Zentrum für alle Fälle
Es gibt unterschiedliche Typen von Inkontinenz. Das Berliner Kontinenzzentrum ist auf die Diagnose und Behandlung aller Inkontinenzprobleme spezialisiert und das geht nur durch fachübergreifende Zusammenarbeit. Am Berliner Kontinenzzentrum kooperieren Urologen, Chirurgen, Internisten, Neurologen, Radiologen, Physiotherapeuten und Psychotherapeuten. Weil die Ursachen von Inkontinenz vielfältig sind, müssen die Spezialisten verschiedener Fachbereiche bereits bei der Diagnose zusammenarbeiten.
Modernste Therapien
Je nach individueller Diagnose und Typ der Inkontinenz stehen unterschiedliche Therapien zur Verfügung. Für Frauen reicht bei leichter Harninkontinenz oft schon die Stärkung der Beckenbodenmuskulatur aus. Aber auch wenn so ein Training nicht mehr genügt, stehen zur Behandlung heute sanfte, minimal-invasive Methoden zur Verfügung. Hier hat die Medizin in den letzten zehn Jahren enorme Fortschritte erzielt. So kann z.B. die Harnröhre durch den Einsatz eines Tapes angehoben und stabilisiert werden. Damit wird verhindert, dass die Harnröhre bei Belastungen - wie etwa dem Tragen von Lasten oder auch beim Lachen und Husten - absinkt. Der Eingriff dauert rund 20 Minuten und kann unter örtlicher Betäubung vorgenommen werden. Das sanfte Verfahren hat eine sehr hohe Erfolgsquote: „Die allermeisten Patientinnen sind nach dem Eingriff beschwerdefrei und gelten als geheilt, so Dr. Neymeyer, der seit 1996 schon rund tausend dieser Eingriffe durchgeführt hat. „Manch eine Frau, die sich früher nicht getraut hat zu lachen, kann heute wieder Tennis spielen.
Netzimplantate stabilisieren den Beckenboden
Bei vielen, insbesondere älteren Patientinnen ist eine Beckenbodensenkung für Inkontinenzprobleme verantwortlich. In diesem Fall drücken abgesackte Organe im Beckenbodenbereich auf die Harnröhre und eine Behandlung mit Bändern ist nicht mehr ausreichend. Früher unterlag die Therapie von Beckenbodensenkungen hohen Rückfallraten und bedurfte klassischer Operationen mit Bauchschnitt. Heute stehen auch hier minimal-invasive Eingriffe zur Verfügung. So können die abgesackten Organe durch ein Netzimplantat dauerhaft gestützt werden.
Beratungshotline am Kontinenztag
Am 30. Juni schaltet das Berliner Beckenbodenzentrum eine Hotline für Betrofffene: 030 2638 3202