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Montag, 27. November 2006

Fast 2 Mio Tablettensüchtige: Heimliche Volkskrankheit

Nach Einschätzung von Experten ist die Abhängigkeit von Medikamenten zur Volkskrankheit geworden. Das sagte Oberarzt Martin Ohlmeier, Leiter der Station für Abhängigkeitserkrankungen der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) der "Neuen Presse".

Der Arzt sprach von einer "heimlichen Volkskrankheit" und forderte, die rezeptfreie Abgabe von abhängig machenden Stoffen auf den Prüfstand zu stellen. Nach einer Schätzung der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) sind 1,9 Millionen Deutsche tablettensüchtig, die Zahl liegt damit höher als die der Alkoholabhängigen. Ohlmeier glaubt, dass die echte Zahl der Tablettenabhängigen sogar noch weit darüber liegt.

Viele Präparate seien rezeptfrei erhältlich und gelten als harmlos. Eine Schmerzmittel-Abhängigkeit sei jedoch sehr häufig und das oft mit fatalen Folgen. So könne die übermäßige Einnahme von Paracetamol zu schweren Nieren- und Leberschädigungen führen, die sogar Dialysebehandlungen oder Transplantationen notwendig machten. Abhängig von Schmerz- oder Schlafmitteln würden vor allem Frauen mittleren Alters, sagte Ohlmeier. Doch zunehmend setzen auch junge Gesunde Arzneimittel als "Erfolgsdroge" ein, um im Beruf Leistung zu bringen.

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