Blick in kosmische Gaswolken"Herschel" zeigt Sternentstehung

In gigantischen Gas- und Staubwolken können sich neue Sterne bilden. Das Weltraumteleskop "Herschel" blickt in diese Wolken hinein und erspäht die ersten Phasen der Sternentstehung.
Kosmische Gas- und Staubwolken sind die Sternfabriken des Universums. Doch nicht in jeder dieser Wolken werden neue Sonnen geboren. Beobachtungen des europäischen Weltraumteleskops "Herschel" enthüllen die ersten Phasen der Sternentstehung und geben damit auch einen Hinweis, warum sich in einigen Wolken Sterne bilden und in anderen nicht.
Die gigantischen Gas- und Staubwolken, aus denen neue Sonnen entstehen, sind typischerweise dünner als Luft. Wie diese dünnen Wolken beginnen, sich zu massiven Sternen zusammenballen, ist bislang nicht genau verstanden. Mit "Herschel" nahm ein Astronomenteam um Philippe André von der französischen Energiebehörde CEA drei unterschiedlich aktive Bereiche des sogenannten Gould-Gürtels ins Visier, einer großen Sternentstehungsregion in der kosmischen Nachbarschaft der Sonne.
Filamente sind Saat späterer Sonnen
Die Astronomen beobachteten komplexe Netze aus feinen Gas-Fäden und -Schläuchen, sogenannten Filamenten, in denen sich erste Knoten als mögliche Saat späterer Sonnen zusammenziehen. "Filamente sind die ersten Strukturen, die sich in der Fragmentierung molekularer Wolken bilden, daher sind dies die Beobachtungsobjekte der Wahl, wenn man die sehr frühen Phasen der Sternentstehung untersucht", erläuterte André in einer Mitteilung der Europäischen Raumfahrtagentur ESA, die das Weltraumteleskop betreibt. Die Forscher stellen ihre Beobachtungen im Fachjournal "Astronomy & Astrophysics" vor.
"Interessanterweise zeigt unsere Studie, dass alle interstellaren Filamente in den drei Regionen dazu tendieren, eine typische Dicke von etwa 0,3 Lichtjahren zu haben", berichtete Andrés Kollegin Doris Arzoumanian. Das deutet darauf hin, dass es eine Schwelle für die Masse der Filamente gibt, oberhalb der sich das Gas zu Sternkernen zusammenballt. Die Astronomen schließen daraus, dass zwei getrennte Prozesse die ersten Phasen der Sternproduktion steuern: "Wir glauben, dass das Gewirr der Filamente von der turbulenten Gasdynamik in den Wolken herrührt", erläuterte André.
"Das würde auch die einheitliche Dicke der Filamente von 0,3 Lichtjahren erklären, weil dies der typischen Größenordnung entspricht, bei der interstellares Gas vom Überschall- zum Unterschallzustand übergeht." Erst nachdem die Gasdynamik für ausreichend Filamente gesorgt hat, übernimmt dann die Gravitation die Kontrolle, unter deren Einfluss sich die Kerne der künftigen Sonnen zusammenballen. Sternentstehungsgebiete wären damit die in ihrer Entwicklung weiter fortgeschrittenen Wolken.