Halte ich noch, oder falle ich bald?Käfer putzen für mehr Reibung

Ein fester Halt sichert ihr Überleben. Aber da Ampferblattkäfer nicht nachschauen können, was los ist, wenn der Untergrund instabiler wird, legen sie eine Putzpause ein. Je geringer die Oberflächenrauigkeit, desto häufiger putzen die Käfer ihr Füße.
Wenn die Reibung mit dem Untergrund nachlässt, gehen Ampferblattkäfer von schmutzigen Füßen aus. Dann beginnen die Tiere sich zu putzen, schließlich ist ein möglichst fester Halt am Untergrund lebenswichtig. Dabei spüren die Käfer, wenn die Haftung langsam verloren geht, berichtet eine Gruppe um Stanislav Gorb vom zoologischen Institut der Universität Kiel in den "Proceedings B" der britischen Royal Society. Anders als der Mensch können die Insekten nicht einfach nachschauen, was Sache ist: Oft sind die Beine so weit weg von den Augen angebracht, das sie nicht ins Gesichtsfeld ragen.
In der Summe sicherer Halt
Wie viele Insekten haftet auch der Ampferblattkäfer selbst an glatten Oberflächen, Stängeln und Blättern. Das gelingt, weil sich zwischen der Unterlage und ungezählten feinen Härchen an der Unterseite der Füße zwar schwache, aber dafür sehr viele Adhäsionskräfte bilden. In der Summe bieten sie sicheren Halt. Setzen sich Staub und anderer Schmutz zwischen Haare und Unterlage, lässt diese Bindung nach. Pflanzen machen sich das zunutze, indem sie etwa feine, ablösbare Wachspartikel an ihrer Oberfläche entstehen lassen. Dennoch verlieren die Sechsbeiner ihren Halt nicht – zuweilen eingelegte Putzpausen entfernen den Schmutz wieder von den Füßen, und es kann weitergehen.
Gorb und seine Kollegen ließen die Käfer nun über unterschiedlich glatte und raue Oberflächen laufen. Diese wurden eigens im Labor hergestellt, die Oberflächenrauigkeit ließ sich daher auf wenige Nanometer genau einstellen. Dabei zeigte sich, dass die Käfer die Reibung mit dem Untergrund wohl mit bislang unbekannten Sensoren spüren können. Wenn die Reibungskraft abnahm, setzte das Putzen ein – unabhängig davon, ob die Füße nun schmutzig waren oder nicht. Die Forscher gehen davon aus, dass die Käfer auf die jeweilige Unterlage reagieren können, statt ständig in festgelegten Zeiträumen ihre haarigen Füße zu reinigen, was unnötig Zeit und Energie kostet.