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Uraltes Belohnungssystem"Kaloriensinn" im Hirn

01.04.2008, 11:49 Uhr

Das Hirn hat einen "Sechsten Sinn" für Kalorien. Dieses Kalorien-Nachweissystem im Hirn ist demnach vom Geschmackssinn unabhängig. Eine Zuckerzufuhr stimulierte einen bestimmten Bereich im Gehirn von Mäusen.

Das Hirn hat einen "Sechsten Sinn" für Kalorien. Das haben Forscher bei Versuchen mit genetisch veränderten Labormäusen entdeckt. Dieses Kalorien-Nachweissystem im Hirn ist demnach vom Geschmackssinn unabhängig. Die Entdeckung sei von herausragender Bedeutung für das Verständnis der Soziologie und die Entstehung von Fettleibigkeit bei Menschen, heißt es im US-Fachjournal "Neuron", in dem der Fund vorgestellt wird.

Die Untersuchung zeigt nach Angaben der Forscher erstmals, dass Nährstoffe selbst – unabhängig vom Geschmack – das Essverhalten beeinflussen können. Die Wissenschaftler um Ivan E. de Araujo von der Duke-Universität in Durham (US-Staat North Carolina) hatten Mäuse "zuckerblind" gemacht, in dem sie bei ihnen genetisch eine Schlüsselkomponente des Geschmacksrezeptors für Süßes entfernten. Wurde diesen Versuchstieren Wasser und alternativ eine Zuckerlösung angeboten, bevorzugten sie eindeutig die Zuckerlösung, obwohl sie den Zucker nicht schmecken konnten.

Diese Vorliebe entwickelte sich schon nach zehn Minuten, wie die Forscher berichten. Bei der Auswahl zwischen Wasser und einer kalorienfreien Süßstofflösung zeigten dieselben Tiere dagegen keinerlei Vorliebe. Normal schmeckende Mäuse bevorzugten in beiden Fällen die süße Lösung. Tatsächlich wurde durch die kalorienhaltige Mischung auch bei den zuckerblinden Mäusen ein Belohnungszentrum im Gehirn aktiviert: Die Zuckerzufuhr stimulierte – unabhängig vom Geschmack – Nervenzellen im Nucleus accumbens, wie elektrophysiologische Untersuchungen zeigten.

Zugleich stieg der Spiegel des "Glückshormons" Dopamin mit den aufgenommenen Kalorien an. Dieser Belohnungsmechanismus sei vermutlich zu einer Zeit entstanden, als energiereiche Nahrung noch spärlich war, meinen die Forscher. "Diese Ergebnisse sind zugleich neu und unerwartet", betont de Araujos Kollege Albino J. Oliveira-Maia. Sie liefen der herrschenden Lehrmeinung entgegen, dass vor allem der Geschmackssinn das Belohnungszentrum im Hirn aktiviere, Menschen überreichlich essen lasse und so zur Fettleibigkeitsepidemie beitrage.