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Alternative Produktionsmethoden sind möglich. Der NF3-Austritt bei der Herstellung von Solarzellen lässt sich reduzieren.
Alternative Produktionsmethoden sind möglich. Der NF3-Austritt bei der Herstellung von Solarzellen lässt sich reduzieren.(Foto: picture alliance / dpa)

In Flachbildschirmen und Solarzellen: Klimakiller NF3 legt zu

Stickstofftrifluorid heißt das Treibhausgas, dessen Konzentration in der Atmosphäre derzeit deutlich ansteigt. Es kommt bei der Herstellung von Flachbildschirmen und Solarzellen zum Einsatz - und ist für das Klima 17.200 Mal schädlicher als Kohlendioxid.

Solarzellen sollen eigentlich das Klima schützen. Doch bei ihrer Herstellung kommt Stickstofftrifluorid, kurz NF3, zum Einsatz. Ebenso bei der Produktion von Flachbildschirmen. NF3 ist ein Treibhausgas. Für das Klima ist es 17.200 Mal schädlicher als Kohlendioxid. Während Klimaschutzskeptiker die menschliche Schuld an der Erderwärmung um schon rund 0,8 Grad seit den 1960er Jahren gerne bestreiten, ist NF3 der beste Beweis des Gegenteils. Denn es ist industriellen Ursprungs.

Seit den 90er Jahren nimmt die NF3-Konzentration in der Atmosphäre rasant zu. Nach Angaben des Umweltbundesamtes steigt sie jedes Jahr um elf Prozent. Allerdings sei die Gesamtmenge bisher marginal, betont die Emissions-Erfassungsbehörde in Deutschland. "Es dürfte direkt korrelieren mit dem Produktionszuwachs bei Solarmodulen und Flachbildschirmen", erläutert Michael Strogies. Er ist beim UBA für die Berichterstattung über die Entwicklung der Treibhausgasemissionen in Deutschland zuständig.

Schlechter Ersatz für FCKW

Der NF3-Ausstoß hat auch deshalb zugenommen, weil die Substanz als Ersatzstoff für verbotene Fluorkohlenstoff-Verbindungen verwendet wird. Neben der hohen Klimaschädlichkeit kommt erschwerend hinzu, dass NF3 nur sehr langsam abgebaut wird. Die Verweildauer in der Atmosphäre beträgt 740 Jahre.

Als Abdullah bin Hamad Al-Attiyah kürzlich in Doha den Hammer fallen ließ, beendete er damit nicht nur eigenmächtig das zähe Ringen beim UN-Klimagipfel. Der katarische Konferenzpräsident bereitete damit auch den Weg für den Kampf gegen NF3. Denn in dem per Hammerschlag bis 2020 verlängerten Kyoto-Protokoll verpflichten sich die 27 EU-Staaten und zehn weitere Länder, neben den bisher sechs einberechneten Treibhausgasen ab 2013 auch Stickstofftrifluorid in die Klimabilanz einzubeziehen.

In 37 Staaten also wird die NF3-Ausstoßmenge kontrolliert. In Deutschland soll dies vor allem über eine Erfassung der Emissionen aus der Solarindustrie geschehen, eine nennenswerte Flachbildschirmproduktion gibt es hierzulande nicht mehr. "Für mich ist das nur eine Spalte mehr bei der Berichterstattung", gibt sich Strogies pragmatisch. An der Messstation für Emissionen an der Zugspitze soll NF3 zunächst nur probeweise gemessen werden, da die Messungen sehr aufwendig sind.

Alternativen sind wirtschaftlicher

"Unsere Probemessungen werden zeigen, ob und wie wir NF3 dort dauerhaft messen", betont UBA-Präsident Jochen Flasbarth. "Dieser Stoff zählt zu den klimawirksamsten Gasen, die wir in der Atmosphäre haben", erläutert er. Für Deutschland gebe es aber bereits erhebliche Anstrengungen, um den Ausstoß zu mindern. In der Solarindustrie werde der NF3-Austritt durch Abgasreinigungsanlagen zunehmend eingedämmt.

Zudem gebe es bei der Herstellung von Flachbildschirmen und Dünnschicht-Solarzellen neue Methoden, mit denen sich NF3 durch molekulares Fluor-Gase ersetzen lasse, die kein Treibhauspotenzial besitzen. "Diese Variante stellte sich in großtechnischen Anlagenversuchen nicht nur als handhabbar, sondern sogar als wirtschaftlicher heraus als die Verfahren mit NF3", so Flasbarth.

Ausgangswert für die Berechnung der Klimaschädlichkeit ist immer CO2, das in Deutschland 86 Prozent der klimaschädlichen Ausstöße ausmacht. Methan (21 Mal so schädlich wie CO2) und Lachgas (310 Mal so schädlich) machen jeweils fünf Prozent aus. Auch wenn die NF3-Menge bislang noch sehr gering ist: Jedes ausgestoßene Kilogramm hat in der Atmosphäre eben eine Wirkung wie 17.200 Kilogramm CO2.

Ausstoß in Asien wird steigen

Besonders in asiatischen Ländern, wo die meisten Solarzellen und Flachbildschirme produziert werden, dürfte der NF3-Ausstoß weiterhin stark zunehmen. Bei Kyoto II machen diese Staaten nicht mit. Bis zu dem ab 2020 geplanten Weltklimavertrag gibt es hier also keine Minderungs- oder Kontrollauflagen.

So steht NF3 auch für das Dilemma beim globalen Klimaschutz. Während vor allem die EU um eine Begrenzung bemüht ist, steigen in anderen Weltregionen die Emissionen. Unter dem Strich ist das womöglich nicht einmal ein Nullsummenspiel.

Quelle: n-tv.de

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