Wissen
In wenigen Minuten können diese Spezialrettungswagen Schlaganfallpatienten in Berlin und Homburg erreichen.
In wenigen Minuten können diese Spezialrettungswagen Schlaganfallpatienten in Berlin und Homburg erreichen.(Foto: picture alliance / dpa)

Spezialwagen bei Schlaganfall: Klinik kommt zum Patienten

Akute Schlaganfälle benötigen eine spezielle Behandlung, doch weniger als die Hälfte der Betroffenen schaffen es rechtzeitig in die Klinik. "Mobile Stroke Units" werden Spezialrettungswagen genannt, die eine Schlaganfalldiagnose auch außerhalb des Krankenhauses ermöglichen - und möglicherweise Leben retten.

Werden Patienten bei Schlaganfall-Verdacht in einem spezialisierten Rettungswagen versorgt, kann die Zeit zwischen Notruf, Diagnose und Therapiebeginn drastisch verkürzt werden. Im Vergleich zur üblichen Behandlung in der Klinik halbiere sich diese Spanne - von durchschnittlich 76 auf 35 Minuten. Dies ergab eine Studie des Neurologen Prof. Klaus Faßbender an der Universitätsklinik des Saarlandes in Homburg. Die Ergebnisse werden in der Fachzeitschrift "The Lancet Neurology" veröffentlicht.

Die Heilungschancen nach einem Schlaganfall sind bei raschem Therapiebeginn um ein Vielfaches höher. In den Spezialrettungswagen, sogenannten "Mobile Stroke Units", gibt es unter anderem einen Computertomographen und Laborgeräte speziell für die Schlaganfalldiagnose. Ein solcher Wagen bringt "das Hospital zum Patienten", sagt Faßbender.

Vor allem Städter profitieren

Deutlich weniger als die Hälfte der Betroffenen käme rechtzeitig in die Klinik, um eine spezielle Behandlung gegen akuten Schlaganfall einleiten zu können, erklärt der Neurologe. Die sogenannte Thrombolyse zur Auflösung von Blutgerinnseln sei nur bis rund viereinhalb Stunden nach den ersten Symptomen möglich - und erst nach einer Computertomographie des Gehirns, um eine Hirnblutung ausschließen zu können. Läge eine Hirnblutung vor, würde die Thrombolyse die Krankheit verschlimmern.

Experten geben jedoch auch zu Bedenken, dass die Effektivität einer "Mobile Stroke Unit" davon abhängt, ob ein Patient in der Stadt oder auf dem Land wohnt. Bei der Studie, die in Homburg im Saarland durchgeführt wurde, sei der Spezial-Rettungswagen nach einem Notruf nur rund vier Minuten später beim Patienten gewesen als eine Standard-Ambulanz. Im Studienfall lag das nächste Krankenhaus durchschnittlich nur sieben Kilometer entfernt. In ländlichen Regionen könnte daher die übliche Klinikbehandlung von Vorteil sein. Dies ist der Fall, wenn die "Mobile Stroke Unit" deutlich später beim Notfall ist als ein normaler Rettungswagen, erklärt Prof. Alastair Buchan von der Oxford University in Großbritannien.

Wie Silke Walter, Oberärztin am Universitätsklinikum des Saarlandes, gegenüber n-tv.de sagt, wurde der Spezialwagen in Deutschland konzipiert und entwickelt. Die erste Mobile Stroke Unit habe es an der Universität des Saarlandes gegeben. Über eine weitere verfüge die Charité in Berlin. Walter zufolge könne der Wagen von Betroffenen nicht direkt angefordert werden. Die Rettungsleitstelle würde bei Notruf und Meldung von Schlaganfallsymptomen über einen Einsatz des spezialisierten Rettungswagen entscheiden.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen