Superplastisches MaterialKochsalz in der Nanowelt
Kochsalz ist eine überaus brüchige Substanz. In der Nanowelt hingegen wird Kochsalz superplastisch. Winzige Stücke können mindestens auf das doppelte ihrer Länge gezogen werden, ohne zu brechen.
Kochsalz ist eine überaus brüchige Substanz, was jedermann weiß, der die weißen Kristalle schon einmal knirschend in der Mühle zermahlen hat. In der Nanowelt hingegen wird Kochsalz superplastisch: Winzige Stücke können mindestens auf das doppelte ihrer Länge gezogen werden, ohne zu brechen. Das berichtet eine nach eigenen Aussagen "überraschte" Gruppe um Nathan Moore von den Sandia National Laboratories in Albuquerque (US-Staat New Mexico) in den "Nano Letters".
In der winzigen Welt der Nanotechnik ist ein Nanometer (1 nm, ein Milliardstel Meter) die übliche Maßzahl. In diesen Dimensionen verändern sich die chemischen und physikalischen Eigenschaften zahlreicher Elemente oft radikal. Moore und seine Kollegen nutzten für ihre Experimente ein Rastertunnel-Mikroskop. Dessen Spitze kann mit einer extrem feinen Steuerung sehr nahe an Oberflächen herangeführt werden, um zum Beispiel deren atomare Struktur zu analysieren.
In ihren Experimenten nutzten die US-Forscher ihre Apparatur zu einem anderen Zweck und hefteten ein winziges Salzkristall an die Spitze, die dann mit der Oberfläche eines größeren Salzkristalls zusammengebracht wurde. Nach der Berührung der Salzkristalle zogen die Wissenschaftler die Nadel sehr vorsichtig zurück – und ließen dabei einen Nanofaden aus dem Salz wachsen. In einem Fall ließ sich ein solcher Faden von 580 Milliardstel Meter auf 2191 Milliardstel Meter dehnen – dies erfüllt unzweifelhaft die Definition eines superplastischen Materials. "Dies ist ein auffälliges und unerwartetes Beispiel dafür, wie sich Materialeigenschaften auf der Nanoebene ändern", heißt es in der Studie.