Ordnung im AmeisenstaatKontrolle durch Chemie
Ein chemischer Kontrollmechanismus auf der Oberfläche des Ameisenpanzers verhindert, dass sich einzelne Arbeiterinnen heimlich vermehren.
Ein chemischer Kontrollmechanismus auf der Oberfläche des Ameisenpanzers verhindert, dass sich einzelne Arbeiterinnen heimlich vermehren und damit ihren Staat ausnutzen. Denn dessen Gemeinwesen funktioniert nur, weil sich alle Mitglieder darauf verständigt haben, ihre Kraft gemeinsam für die Aufzucht des Königinnen-Nachwuchses zu verwenden – als seien es die eigenen. Die Arbeiterinnen verzichten dafür selbst auf Nachwuchs. Wie diese Selbstlosigkeit kontrolliert und durchgesetzt wird, beschreibt eine deutsch-amerikanische Forschergruppe im Journal "Current Biology".
Wenn eine weibliche Ameise funktionierende Fortpflanzungsorgane entwickelt, zeigen sich an der Oberfläche ihres Panzers typische Kohlenwasserstoffe in hoher Konzentration, beschreiben die Forscher um Adrian Smith von der Arizona State University in Tempe und Bert Hölldober von der Universität Würzburg. Bei den nicht vermehrungsfähigen Ameisen der nun untersuchten Art Aphaenogaster cockerelli aus Nordamerika fehlt dieses Signal – das aber von allen Mitgliedern des Staates wahrgenommen werden kann.
Betrügerinnen erkannt
Die Forscher analysierten nun, welche Substanzen die Fruchtbarkeit verraten, und nebelten damit auch sterile Arbeiterinnen ein. Diese wurden dann in ein Ameisennest mit einer Königin gesetzt – und prompt als Betrüger attackiert. In einem Nest ohne Königin blieb der Angriff aus – in einer solchen Gemeinschaft gibt es schließlich keine auch keine Herrscherin, die betrogen würde, heißt es in dem Journal.
Auf diese Weise werde der Friede im Volk aufrechterhalten, weil keine Arbeiterin neben der Königin eigene Kinder aufziehen könne – allein der Versuch würde sie verraten. In Abwesenheit der Königin allerdings, nach deren Tod oder ihrer experimentellen Entfernung, reproduzieren sich auch andere Mitglieder des Volkes.