Donnerstag, 22. Mai 2008
Milliarden Darmbakterien: Mehr Arten bei Vegetariern
Verschiedene Säugetierarten unterscheiden sich stark in der Zusammensetzung ihrer Darmbakterien. So besitzen Pflanzenfresser mehr unterschiedliche Bakterienarten als Fleischfresser, wie US-amerikanische Forscher herausfanden. Die Vielfalt der Darmbakterien von Allesfressern liegt in der Mitte.
Die Wissenschaftler hatten in ihrer Studie den Kot von insgesamt 60 Säugetierarten hinsichtlich des Erbmaterials von Bakterien untersucht. Über ihre Ergebnisse berichten die Forscher um Ruth Ley von der Washington University School of Medicine in St. Louis in der Fachzeitschrift "Science".
Erwachsene Menschen tragen in ihrem Körper Milliarden von Bakterien mit sich herum, den Großteil davon in ihrem Verdauungstrakt. Im Genom dieser Mikroben sind zum Teil Informationen für Stoffwechselleistungen verschlüsselt, über die der Mensch selbst nicht verfügt. Um herauszufinden, inwiefern sich die Zusammensetzung der Darmflora zwischen Menschen und anderen Säugetieren unterscheidet, untersuchten die Forscher das Erbmaterial von Darmbakterien aus dem Kot von Primaten, Ratten und Pandas. Durch die Entschlüsselung dieser sogenannten 16S rRNA können Schlüsse auf die Artenvielfalt der Darmbakterien gezogen werden.
Zwischen einzelnen Individuen derselben Art bestehen keine großen Unterschiede, fanden die Forscher heraus. Auch wenn sie in verschiedenen Zoos leben, weisen die Tiere etwa die gleiche Zusammensetzung in ihrer Darmflora auf. Unterschiede bestanden dagegen zwischen den verschiedenen Tierarten. Eine Verbindung konnten die Forscher zwischen Bakterienvielfalt und Ernährungsweise ihres Wirtes herstellen. Pflanzenfresser beherbergten in ihrem Verdauungstrakt die größte Vielfalt von Bakterien. Etwas weniger Vielfalt herrschte bei Allesfressern, und noch weniger bei Fleischfressern.
Die ursprünglichen Säugetiere waren Fleischfresser. Erst mit der Entwicklung zum Pflanzenfresser habe die bakterielle Vielfalt zugenommen, schreiben die Wissenschaftler. Dadurch war es den Säugetieren möglich, Nahrungsquellen zu nutzen, die ihnen zuvor verschlossen waren, indem sie beispielsweise komplexe Kohlenhydrate verwerten konnten. Das war ein Durchbruch in der Evolution der Säugetiere, schreiben die Forscher, denn nun konnten sie sich in verschiedenste Richtungen weiterentwickeln.
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