Nervenzellen wie gewünscht Neuartige Vorläufer entwickelt
US-Wissenschaftlern gelingt ein großer Schritt in der Medizinforschung: Sie entwickeln neuartige Nervenvorläufer aus menschlichen embryonalen Stammzellen. Nach umfangreichen Versuchen im Labor sollen die ausdifferenzierten Zellen nun im Tierversuch getestet werden.
US-Forscher haben aus menschlichen embryonalen Stammzellen neuartige Nervenvorläufer entwickelt, die große Bedeutung in der Medizin erlangen könnten. Die Vorläufer von Nervenzellen teilen sich immer wieder, ohne sich zu verändern, schreibt das Team in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften (PNAS). Dies tun sie zudem sehr rasch, so dass sich genügend Zellen für eine Therapie bildeten.
Aus den Vorläuferzellen konnten die Forscher sogar verschiedene spezialisierte Nervenzellen entwickeln."Das ist ein großer Schritt vorwärts", sagte Autor Kang Zhang, Institutsdirektor an der University of California in San Diego, laut einer Mitteilung. "Das heißt, wir können rasch stabile, erneuerbare neuronale Stammzellen oder Folgeprodukte erzeugen, in großen Mengen und im Klinikstandard – Millionen in weniger als einer Woche." Sie könnten für klinische Versuche und eventuell für Therapien genutzt werden. "Bislang war das nicht möglich."
Große Erwartungen
Mediziner setzen große Hoffnungen in embryonale Stammzellen, doch bislang sind sie in der Praxis schwer einsetzbar. Neben ethischen Bedenken gibt es auch praktische Probleme bei der Vermehrung und das Risiko, dass sie zu Tumorzellen mutieren.
Um die neuartigen Nervenzellen zu produzieren, gaben die US-Forscher einen speziellen Cocktail aus kleinen Molekülen in die Nährlösung von menschlichen embryonalen Stammzellen. Dieser zielte unter anderem auf Wachstumsfaktoren der Zellen und führte dazu, dass sie sich zu frühen Nervenvorläuferzellen entwickelten. Dank eines weiteren Chemikaliencocktails blieben sie zunächst in diesem Stadium.
Mit Hilfe weiterer Moleküle dirigierten die Forscher die Vorläuferzellen so, dass sie sich je nach Wunsch zu verschiedenen ausgewachsenen Nervenzellen entwickelten. "Man kann Neuronen für spezifische Leiden erzeugen wie Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), die Parkinsonkrankheit oder (…) spezifische Augen-Neuronen, die bei Krankheiten zerstört werden wie der Makula-Degeneration, der Retinitis pigmentosa und dem Glaukom", sagte Zhang.
Bislang ist das jedoch alles nur im Labor gelungen. Als nächstes möchte das Team die ausdifferenzierten Zellen im Tierversuch testen. Wann das Verfahren am Menschen angewandt werden kann, ist ungewiss.