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Komplizierte Anwendung"Pille" für den Mann

13.08.2007, 13:14 Uhr

Viele Jahre ist an der Pille für den Mann gearbeitet worden. Da die Pille aber eine Spritze ist, die alle drei Monate verabreicht werden muss, zweifeln Pharmaunternehmen an der Vermarktungsfähigkeit und ziehen sich zurück.

Das Aus im Juni kam überraschend. Der Pharmakonzern Schering hatte zwar viele Jahre an der Pille für den Mann gearbeitet, nach seiner Übernahme durch Bayer werden die Pläne aber nicht weiter verfolgt. Trotzdem steht das Projekt nicht vor dem Ende. „Im Gegenteil, wir werden das Gebiet weiter forcieren“, sagte der Direktor des Instituts für Reproduktionsmedizin der Universitätsklinik Münster, Professor Eberhard Nieschlag. Seine Gruppe hatte mit Schering zusammengearbeitet.

„Das ist uns zu umständlich“

„Uns fehlt der Glaube, dass dieses Produkt vermarktungsfähig ist“, sagte Bayer Schering Pharma-Sprecherin Astrid Kranz. Die Wirkung sei zwar nachgewiesen, die Anwendung aber zu kompliziert. Das dabei nötige Testosteron könne nicht geschluckt werden, weil es in der Leber abgebaut werde, sagte sie. Das mache vier Mal im Jahr die schmerzhafte Injektion in den Po nötig – „das ist uns zu umständlich“. Für die Münsteraner Wissenschaftler habe der Ausstieg von Bayer keine weitreichenden Konsequenzen, sagte Nieschlag. Die Markteinführung der Pille für den Mann sei durch den Rückzug allerdings in weite Ferne gerückt.

„Dieser Zeitpunkt hängt von der Industrie ab.“ Derzeit plane die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine neue Studie zur männlichen hormonellen Verhütung mit weltweit 450 Paaren, ergänzte der Mediziner. In Münster seien dann 40 Paare beteiligt. Derzeit werde die Untersuchung von den Ethikkommissionen beurteilt, der Beginn sei möglicherweise noch in diesem Jahr möglich. Dabei wird das Verfahren auf seine verhütende Wirkung getestet – bisher hatten Forscher lediglich gezeigt, dass das Hormonpräparat die Spermienbildung wirksam unterdrückt.

Verhütung ist noch Frauensache

Zurzeit ruht die Hauptlast bei der Verhütung auf der Frau. Die Pille gilt als zuverlässig, wenn sie korrekt eingenommen wird. Für den Mann gibt es bislang keinen vergleichbaren Eingriff in den Hormonhaushalt. Die Akzeptanz solcher Präparate für Männer hängt auch davon ab, ob die Produktion der Samenfäden zuverlässig wieder anspringt, wenn sich das Paar später für ein Kind entscheidet und den Wirkstoff wieder absetzt. Zumindest in dieser Hinsicht scheint es keinen Grund zur Sorge zu geben, berichteten Peter Liu vom Harbour-UCLA Medical Center in Torrance (USStaat Kalifornien) und seine Kollegen im Medizinjournal „The Lancet“

Wer die Bildung seiner Spermien ein Jahr lang mit Hormonen unterdrückt und die Präparate dann absetzt, hat nach vier bis fünf Monaten wieder rund 20 Millionen Spermien in einem Milliliter Sperma. Von diesem Wert an gelten Männer als uneingeschränkt fruchtbar. Die Pille ist keine Tablette, sondern besteht aus einer Spritze, kombiniert mit einem Implantat. Dem Mann werden damit zwei Hormone verabreicht: Testosteron und ein Gestagen. Das Testosteron wird in den Po gespritzt. Das Gestagen ist in einem dünnen, sechs Zentimeter langen Stäbchen enthalten, das mit einer Nadel unter die Haut des Oberarms implantiert wird.

Das Gestagen (genaue Bezeichnung: Etonogestrel) hemmt die Ausschüttung von Botenstoffen, die in den Hoden die Spermienbildung fördern und gleichzeitig die Testosteron-Produktion ankurbeln. Durch diese hemmende Wirkung wird die Spermienbildung unterdrückt. Gleichzeitig sinkt dabei jedoch die körpereigene Testosteronproduktion – ein unerwünschter Nebeneffekt. Weil das Sexualhormon Testosteron im Körper zahlreiche Aufgaben hat - es fördert zum Beispiel den Muskelaufbau und reguliert die Fettanlagerung und Libido - muss dieser Mangel mit der Spritze ausgeglichen werden.