Nordpol umrundet"Polarstern" zurück aus dem Eis
Nach der ersten Nordpol-Umrundung eines Forschungsschiffs weltweit ist die "Polarstern" wieder in ihrem Heimathafen Bremerhaven eingetroffen.
Nach der ersten Nordpol-Umrundung eines Forschungsschiffes weltweit ist die "Polarstern" wieder in ihren Heimathafen Bremerhaven zurückgekehrt. Die geringe Eisbedeckung in der Arktis eröffne einerseits neue Möglichkeiten für die Forschung, sei aber andererseits mit Blick auf den Klimawandel besorgniserregend, sagte Karin Lochte, Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI), das die "Polarstern" betreibt.
Das staatlichen Wetter und Ozeanographie-Institut (NOAA) in den USA berichtete unterdessen, dass die Herbsttemperaturen in der Arktis in diesem Jahr fünf Grad Celsius höher waren als im langjährigen Durchschnitt.
Eisbären und Vögel gesichtet
Während der zurückliegenden 23. Arktis-Expedition waren insgesamt 117 Forscher aus zwölf Nationen an Bord der "Polarstern", etwa um die Klimaveränderungen zu untersuchen. Die erhobenen Daten werden nun ausgewertet. Fahrtleiter Wilfried Jokat berichtete, unter anderem habe ein mitreisender Biologe in der zentralen Arktis Vogelarten beobachtet, "die eigentlich in den Nordatlantik gehören". Es sei allerdings die Frage, ob dies tatsächlich auf den Klimawandel zurückgehe oder ob die Vogelarten wegen der Unzugänglichkeit des Gebiets dort bislang nur nicht gesichtet wurden. Auch die Tatsache, dass mehrfach während der Expedition Eisbären der "Polarstern" nahegekommen seien, bedeutet nicht, dass die Tiere auf Grund des Klimawandels Hunger litten.
Bodenschätze im Visier
Aufgrund der bei der "Polarstern"-Expedition genommenen Bodenproben und akustischen Messungen wollen die AWI-Forscher nun ein verbessertes geophysikalisches Modell für die zentrale Arktis erstellen. In welchem Zeitraum bestimmte Ablagerungen entstanden seien, habe auch für die Frage nach den in der Arktis reichlich vermuteten Bodenschätzen große Bedeutung, sagte der Geophysiker Jokat. Nach den Worten Lochtes beobachten die fünf Anrainerstaaten USA, Russland, Dänemark, Norwegen und Kanada die Eisschmelze sehr genau – nicht zuletzt mit Blick auf die ökonomische Bedeutung der eisfreien Gebiete.
Hoffnungen der Seeschifffahrt auf eine regelmäßige Nutzung der von dem Forschungsschiff durchfahrenen Nordwest- und Nordostpassage in der Arktis für den Frachtverkehr relativierte "Polarstern"-Kapitän Stefan Schwarze. Sicherlich sei dies der kürzeste Weg von Europa zum Beispiel nach Japan, sagte Schwarze. Selbst in den wenigen Wochen im Jahr, in denen die Strecke befahrbar sei, blieben aber rumpfverstärkte Schiffe nötig.