Samstag, 26. Mai 2007
Immer weniger Behandlungen
Retortenbabys nur für Reiche
In Deutschland bleiben nach Ansicht des Facharztes Klaus Bühler immer mehr Paare ungewollt kinderlos. Ein Grund dafür sei, dass sich viele gesetzlich versicherte Ehepaare Kinderwunsch-Behandlungen wie die künstliche Befruchtung nicht mehr leisten könnten, sagte Bühler in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Seit der Gesundheitsreform im Jahr 2003 müssten Ehepaare durchschnittlich bis zu 1.900 Euro pro Behandlungszyklus für Reagenzglas-Befruchtungen zahlen. "Seitdem ist die Zahl der Behandlungen um die Hälfte zurückgegangen, insbesondere in den östlichen Bundesländern und in Bremen", sagte der Reproduktionsmediziner aus Langenhagen bei Hannover.
Bühler schätzt, dass in den Jahren 2005 und 2006 als Folge der Einschränkungen im Zuge der Gesundheitsreform 13.000 bis 15.000 Babys weniger in Deutschland zur Welt kamen. Er ist Vorsitzender des Deutschen IVF-Registers, das die Zahlen künstlicher Befruchtungen außerhalb des Körpers auflistet. Gab es 2003 noch 105.000 Behandlungszyklen, wurden 2005 nur noch 56.000 registriert. "Ich finde es beschämend für unser Land, dass Kinderwunsch-Behandlungen in erster Linie vom Portemonnaie abhängen", sagte der Mediziner.
Bei der Arbeits- und Sozialministerkonferenz der Bundesländer steht seit November 2006 eine Prüfung der Finanzierung von Kinderwunsch-Behandlungen auf der Agenda, heißt es aus der Berliner Sozialverwaltung. Im September soll ein Bericht vorliegen. Bühler schlägt als Alternative zum heutigen Finanzierungsmodell eine einkommensabhängige Regelung vor. In einzelnen Bundesländern gebe es bereits Bestrebungen, die jetzige Regelung zu modifizieren, sagte der Arzt.
Während die privaten Krankenkassen Kinderwunsch-Behandlungen bei Ehepaaren voll finanzieren, unterstützen die gesetzlichen Kassen die ersten 3 Versuche bei Frauen zwischen 25 und 40 Jahren mit 50 Prozent der Kosten. Paare ohne Trauschein bekommen gar keine finanzielle Hilfe. Das erste deutsche Baby nach einer künstlichen Befruchtung war vor 25 Jahren in Erlangen zur Welt gekommen.
Ulrike von Leszczynski, dpa
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