Kompromisspapier in der KritikRingen um Walschutz geht weiter

Der Chef der Internationalen Walfangkommission will mit einem Kompromisspapier eigentlich eine Lösung im Walfang herbeiführen. Doch Walfänger wie -schützer lehnen es ab.
Walfänger haben seit 1986 rund 35.000 Großwale aus den Meeren gezogen, obwohl seit dem Jahr ein weltweites Fangverbot gilt. Japan beruft sich auf "wissenschaftlichen" Walfang, Island und Norwegen auf umstrittene Sonderrechte. Während Deutschland und andere Länder auf den Konferenzen der Internationalen Walfangkommission (IWC) gegen diese Jagd ankämpfen, kauft sich Japan nach Angaben von Tierschützern die Stimmen kleiner, armer Staaten durch großzügige Entwicklungshilfe.
Um das jahrzehntelange Patt aufzulösen, hat IWC-Chef Cristian Maquieira zur IWC-Konferenz Ende Juni in Agadir (21. bis 25. Juni) nun ein Kompromisspapier vorgelegt. Maquieira will den Walfang innerhalb strenger Quoten für zehn Jahre legalisieren, der Handel mit Walfleisch soll aber verboten bleiben. Doch diesen Kompromiss wollen weder Walfangländer noch die Walschützer annehmen.
Brauchbares Papier, aber viel zu lasch
"Das Papier hat zwar einige brauchbare Ansätze, aber es ist nicht zustimmungsfähig für uns", sagte der Leiter der deutschen Delegation Gert Lindemann. "Es darf nicht, wie derzeit noch vorgesehen, einen Fang in Schutzgebieten geben. Der Walfang muss stärker als geplant reduziert und der kommerzielle Fang ganz beendet werden", sagt Lindemann.
"Alle wissen, dass etwas passieren muss", betont die Meeresbiologin Petra Deimer, die wissenschaftliches Mitglied der deutschen Delegation ist. Das Papier habe jedoch viele Fehler. "Wenn überhaupt, dann müssen die Fangquoten vom IWC-Wissenschaftsausschuss kommen, nicht wie jetzt von der Politik", fordert Deimer, die selbst auch im IWC-Wissenschaftsausschuss sitzt.
Bundestag stimmt gegen den Kompromiss
Der Bundestag lehnte das Papier kategorisch ab. In einem fraktionsübergreifenden Antrag stimmten die Parlamentarier gegen das Vorhaben, Japan, Island und Norwegen wieder Fangquoten einzuräumen. Zudem müsse ein Kompromiss ein Ausstiegsszenario enthalten, das nach einer Übergangszeit zum kompletten Aus für den kommerziellen Walfang führt.
Auch von den Walfangländern kommt Gegenwind gegen das Kompromisspapier: Island wendet sich gegen das darin vorgesehene Handelsverbot für Walfleisch. Japan sind die genannten Fangquoten zu gering und Norwegen sieht "viele ungelöste Punkte".
"Das Papier hat positive Seiten wie ein absolutes Handelsverbot", bemerkt Ralf Sonntag vom Internationalen Tierschutzfonds IFAW. Und immerhin: "Die erlaubten Quoten in dem Kompromisspapier sind etwas kleiner als die derzeitigen Fänge." Die Fangquoten müssten jedoch langfristig auf Null herabgesetzt werden. Sonntag fordert, auf höhere politischer Ebene über den Walfang zu sprechen - vielleicht sogar auf einem G8-Gipfel.
Bau von japanischem Fangschiff stoppen
Meeresbiologin Deimer gibt zu bedenken: "Wenn man Walfang erlaubt, werden sich die Länder an die Quoten halten?" Zudem müssten die Quoten alle ein bis zwei Jahre überprüft und an die Zahl der Wale angepasst werden. "Wenn es schon Quoten gibt, dann auf keinen Fall für zehn Jahre", sagt Deimer. Wichtig wäre es auch, die durch Beifang und Schiffsunfälle getöteten Wale zu berücksichtigen. "Würde man alles korrekt einrechnen, käme der Walfang bald zum Erliegen."
Die Zeit drängt, erläutert Deimer. "Momentan drohen die Japaner damit, ein neues Fangschiff zu bauen. Und wenn sie das tun, dann muss das auch erstmal wieder einige Jahre in die Antarktis fahren, damit es sich wenigsten ein bisschen rentiert." Daher müsse vor dem Bau des Schiffs die Bremse gezogen werden. Auch Sonntag meint mit Blick auf das Walfangschiff: "Wenn, dann gibt es jetzt eine Chance einzugreifen."
"Es sind rund 35 000 Wale seit dem Moratorium 1986 getötet worden von Norwegen, Island und Japan und noch einmal 8000 von indigenen Völkern", sagt Deimer, die kürzlich auch die Daten von 2009 in ihre Analyse aufgenommen hat. Sie gibt die Hoffnung auf eine Lösung für das Wal-Patt nicht auf: "Ich denke, dass der Ansatz des Kompromissvorschlags richtig ist, nur die Bedingungen sind unmöglich. Da muss noch viel gearbeitet werden." Das sei nicht ungewöhnlich, in der IWC dauere alles lange. Auch das Walfang-Moratorium habe rund 20 Jahre bis zum Einsatz benötigt.