Vogel des Jahres 2009Schöner Eisvogel
Er gilt als "fliegender Edelstein": Der Eisvogel fällt nicht nur wegen seines wunderschön glänzenden, rostrot-blauen Gefieders auf.
Er gilt als "fliegender Edelstein": Der Eisvogel fällt nicht nur wegen seines wunderschön glänzenden, rostrot-blauen Gefieders auf. Der etwa spatzengroße Vogel ist auch sonst ein ungewöhnliches Tier, das in metertiefen Röhren in der Erde brütet, blitzschnell auf Fischjagd geht - und vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) zum Vogel des Jahres 2009 gekürt wurde.
"Der Eisvogel steht dabei symbolisch für einen ganzen Lebensraum, und das sind in diesem Fall die naturnahen Gewässer", erklärt der Vogelschutz-Experte des NABU, Markus Nipkow aus Berlin, diese Wahl. Denn wenn Bäche und Flüsse stark bebaut würden, finde der Eisvogel weder genügend Nahrung noch ausreichend Brutmöglichkeiten. Problematisch ist dabei jedoch, dass das Umweltbundesamt derzeit nur zehn Prozent der Fließgewässer in Deutschland als naturnah einstuft.
5000 Brutpaare in Deutschland
Trotz dieser Einschränkungen ist der einst gefährdete Eisvogel heutzutage aber wieder überall in Deutschland verbreitet - außer im Hochgebirge und an der Küste. "Da gibt es schließlich keine geeigneten Steilwände und keine Gewässer, die ihm ideale Voraussetzungen zum Fischen bieten", sagt die Ornithologin Margret Bunzel-Drüke aus Soest, die bereits seit 1976 Forschungen zu diesem Thema betreibt. "Nach Schätzungen leben derzeit mehr als 5000 Brutpaare in Deutschland."
Mit Eis hat der Eisvogel (Alcedo atthis), von dem es in Deutschland nur eine Art, weltweit aber mehr als 100 gibt, allerdings nichts zu tun: Man nimmt laut NABU-Experte Nipkow stattdessen an, dass sich der Name entweder vom althochdeutschen "eisan" ableitet - was so viel wie schillern oder glänzen bedeutet -, oder dass er möglicherweise "Eisenvogel" bedeutet - wegen des blauen Rücken- und des rostfarbenen Bauchgefieders. "Kalte Winter hingegen können für den Vogel den Tod bedeuten", sagt Nipkow. "Dann kann er nicht mehr fischen."
Tauchende Fischer
Der Eisvogel gehört schließlich zu den wenigen Vögeln, die ihre Beutejagd tauchend erledigen - auch wenn er anders als etwa der Kormoran unter Wasser kaum schwimmt. "Selbst in extrem schnell fließenden Gewässern kann er erfolgreich auf Jagd gehen", erklärt der Präsident der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft, Franz Bairlein aus Wilhelmshaven. "Das Tauchverhalten wird begünstigt durch seine torpedoartige Form und die sehr dichte Struktur des Gefieders."
Die Fische, von denen sich der Eisvogel ernährt, werden im Sturzflug erbeutet. "Dafür setzt er sich auf einen der unteren Äste des Ufergebüschs und späht ins Wasser", schildert Nipkow die Jagdszenerie. "Nachdem er dann seine Beute fixiert hat, schießt er pfeilschnell ins Wasser." Dabei hat der Eisvogel die äußerst nützliche Fähigkeit, den Brechungswinkel des Lichts im Wasser berücksichtigen zu können. "Wenn er das nicht könnte, würde er häufiger auch mal daneben greifen", sagt der 47-Jährige. Hat der Eisvogel schließlich einen Fisch erbeutet, setzt er sich auf einen Ast, erschlägt den Fisch und schluckt ihn mit dem Kopf voran - wegen der Schuppen, die sonst wie eine Bremse wirken würden.
Eine weitere Besonderheit ist das Brutverhalten des Eisvogels. Statt in Nestern zu brüten, legt er seine Eier in bis zu einen Meter lange Brutröhren. "Wie ein Specht hackt er sie im rechten Winkel in die Erde an den Steilufern", erklärt Eisvogel-Expertin Bunzel-Drüke. "Am Ende dieser Röhre befindet sich dann ein Kessel, in den er später die Reste seiner Beute wie etwa die Fischknochen ausspucken kann." Das sei aber nicht nur bloßer Abfall, sondern diene auch als isolierende Unterlage für die Eier.
Fisch als Brautgeschenk
Bis es jedoch soweit kommt, müssen sich Männchen und Weibchen im Frühjahr erst einmal zur Fortpflanzung treffen. Eigentlich ist der Eisvogel ein Einzelgänger, der den Winter über sein Revier verteidigt. "Im Frühjahr muss er allerdings sein Revierverhalten aufgeben und seine Aggressivität abbauen", sagt NABU-Experte Nipkow. "Dafür macht er dem Weibchen mit einem Fisch ein sogenanntes Brautgeschenk, um sich ihm anzunähern und sein Vertrauen zu gewinnen."
Haben sich Männchen und Weibchen gefunden, gehen sie eine sogenannte Saisonehe ein. "Hin und wieder gibt es aber auch andere Paarvarianten", erläutert Bunzel-Drüke. So könne es vorkommen, dass ein Männchen gleichzeitig mit zwei Weibchen für Nachwuchs sorgt - dann aber lägen die Brutstellen zum Teil bis zu einige Kilometer auseinander. "Es passiert aber auch, dass sich ein Weibchen bei seinen Bruten abwechselnd mit zwei verschiedenen Männchen zusammentut", fügt die Eisvogel-Expertin hinzu. Egal nach welcher Variante: Gebrütet werde schließlich bis zu dreimal pro Jahr, bevor das jeweilige Paar wieder getrennte Wege geht.