Eisschmelze in der ArktisSo stark wie noch nie
Ein Hochdruckgebiet hat der Arktis drei Probleme auf einmal gebracht: Es hielt Wolken ab, löste warme Winde Richtung Norden aus und schob das Meereseis vom sibirischen Festland weg.
Das Meereis in der Arktis ist US-Forschern zufolge in diesem Sommer so stark geschmolzen wie noch nie seit Beginn der Satellitenmessungen 1979. Der Negativrekord sei sogar einen ganzen Monat vor den früheren Jahrestiefstwerten erreicht worden, schreibt die "New York Times" mit Verweis auf William Chapman von der Universität von Illinois. Grund sei eine Mischung aus der allgemeinen Klimaerwärmung und ungewöhnlichen Wetterbedingungen in diesem Jahr. "Die Abschmelzrate im Juni und Juli war dieses Jahr einfach unglaublich", sagte er. Bereits am Donnerstag hatten Hamburger Forscher auf die extrem starke Eisschmelze in der Arktis in diesem Jahr hingewiesen.
Das Nationale Schnee- und Eiszentrum (NSIDC) in Boulder im US- Bundesstaat Colorado, das ein anderes Messsystem hat, berichtete noch nicht von einem Rekord. Allerdings sei es fast sicher, dass die Arktis im September mehr offenes Wasser haben werde als seit langer Zeit, sagte NSIDC-Meereseis-Experte Mark Serreze dem Bericht zufolge. Offenbar habe ein Hochdruckgebiet über der Arktis drei Probleme auf einmal gebracht: Es hielt die Wolken ab, löste warme Winde Richtung Norden aus und schob das Meereseis vom sibirischen Festland weg, so dass riesige Flächen dem offenen Wasser ausgesetzt waren.
Die Forscher beobachten schon seit mehr als einem halben Jahrhundert eine Abnahme der Meereseisfläche. Nach neueren Schätzungen droht die Arktis schon zwischen 2040 und 2080 im Sommer eisfrei zu sein. Weil Wasser ein anderes Reflexionsverhalten hat als Eis, werden von dem Abschmelzen weitere Klimaveränderungen erwartet. Die bisher kleinste Eisfläche wurde im Sommer 2005 gemessen. Die diesjährigen Veränderungen seien deshalb dramatisch, weil sie die gesamte Arktis beträfen und nicht nur einzelne Regionen, sagte Chapman.