Im Alter von drei bis vier Wochen können die Jungvögel nicht mehr von ihren Eltern gewärmt werden.
(Foto: dpa)
Montag, 22. Juni 2009
Regen satt, wenig Würmer: Storchenkinder sterben
In vielen Regionen Deutschlands ist der Nachwuchs von Storchenpaaren in den vergangenen Wochen gestorben. "Das liegt am Wetter und dem extremen Regen", erläuterte Kai-Michael Thomsen, Storchenexperte beim Naturschutzbund NABU. Von den bundesweit etwa 4000 bis 4500 Storchenpaaren lebten die meisten in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, an dritter Stelle folge Sachsen-Anhalt. Die Tiere könnten im Alter von drei bis vier Wochen nicht mehr von den Altvögeln gewärmt werden, gleichzeitig fehle ihnen noch ein ausreichendes Federkleid. "Wenn es dann auch noch an Futter mangelt, können Jungstörche vermehrt sterben."
Immer mehr Wiesen und Weiden gingen verloren, so dass Störche nicht genügend Nahrung finden. Häufig würden die Flächen in Ackerland umgewandelt oder fielen brach. "Störche sind eine Symbolart. Wenn ihre Zahl sinkt, ist das ein Zeichen dafür, dass etwas in ihrem Lebensraum nicht mehr stimmt", betonte Thomsen in einem Interview.
Futter von der Müllhalde
"Das Wetter bisher war katastrophal und tödlich für die Kleinen", sagte auch Horst Reschke vom Aktionsbündnis "Rettet die Weißstörche" in Minden. Noch im Frühling waren die Tierfreunde sehr optimistisch gewesen: Mit 26 Storchenpaaren hatten in der Region Minden in dieser Saison so viele gebrütet wie noch nie. Durch die Trockenheit Ende Mai habe es aber an Regenwürmern gefehlt - eine Hauptnahrung der Küken. "Anfang Juni dann war es zwar feucht, aber auch sehr kalt, so dass die Jungen unterkühlt waren", sagte Reschke.
Besorgniserregend ist laut Reschke auch, dass Storchen-Eltern in ihrer Not zahlreiche Gegenstände von einer Mülldeponie auflasen und diese als Futter in die Nester brachten. "Wir haben verendeten Küken die Mägen aufgeschnitten und darin Gummibänder oder Silikon gefunden. Es gab auch einen sehr tragischen Fall, wo sich zwei Küken mit Bindfäden erdrosselt haben." Insgesamt seien in der Region noch etwa 39 Junge am Leben. "Das ist alles andere als gut", sagte Reschke. "Man sagt, dass sich die Art erhält, wenn pro Paar zwei Junge ausfliegen."
dpa
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