Donnerstag, 19. August 2010
Neues Verfahren macht's möglich: THC synthetisch hergestellt
Einem deutschen Wissenschaftler ist es mit einem neuen Verfahren gelungen, erstmals Tetrahydrocannabinol (THC), den Wirkstoff der Cannabis-Pflanze, synthetisch herzustellen. Oliver Kayser von der Technischen Universität Dortmund entwickelte die sogenannte heterologe Biosynthese von THC, bei der die THC-Gene aus der Cannabis-Pflanze herausisoliert und anschließend in einen Mikroorganismus verpflanzt werden. Die Mikroorganismen können entsprechend vermehrt werden, um dann in einem Bioreaktor THC zu produzieren. Das Ergebnis: reines THC.
Mit diesem wirtschaftlichen und vergleichsweise unaufwändigen Verfahren könnte es eine Möglichkeit geben, THC - trotz Anbauverbot von Cannabis in Deutschland - wesentlich mehr als bisher in der Medizin einzusetzen.
Bisher viel zu wenig THC
Professor Oliver Kayser in seinem Labor in der Technischen Universität Dortmund.
(Foto: picture alliance / dpa)
Bisher wurde in Deutschland THC bislang aus Faserhanf gewonnen, dessen Anbau oder Einfuhr legal sind. Da die Fasern weniger als 0,2 Prozent THC enthalten, ist der Produktionsprozess entsprechend aufwändig. Aus der Cannabispflanze aber, die bis zu 25 Prozent THC enthalten kann, darf der Wirkstoff aus juristischen Gründen in Deutschland nicht gewonnen werden. Pro Jahr werden so 20 Kilogramm THC produziert, der tatsächliche Bedarf liegt jedoch bei über einer Tonne.
Kayser sieht in seinem Verfahren eine Grundlage für verschiedene andere Anwendungen. So könnten in Zukunft humane Enzyme als Gene in Mikroorganismen eingeschleust werden, die bereits THC herstellen. Als Zwischenprodukte sollen Stoffe entstehen, mit der die Polizei auf relativ einfache Art und Weise illegalen Haschischkonsum bei Verdächtigen nachweisen könnte.
jze/TU Dortmund
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