Samstag, 21. Februar 2009
Schlafloses Deutschland: Tablettengebrauch steigt
Immer mehr Menschen in Deutschland greifen zu Schlaftabletten und riskieren, dadurch süchtig zu werden. Das berichtete die "Frankfurter Rundschau" unter Berufung auf eine bislang unveröffentlichte Studie, die das Institut für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung in Hamburg für das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte erstellt hat. Erleichtert wird die Einnahme von Schlaftabletten demnach dadurch, dass Ärzte zunehmend Privatrezepte an den Krankenkassen vorbei für ihre Patienten ausstellen.
Das Forscherteam um den Institutsleiter Peter Raschke rechnete dem Bericht zufolge hoch, dass die Zahl der Schlafmittel-Abhängigen sich in den kommenden fünf Jahren von derzeit 2,3 auf rund vier Millionen erhöhen könnte. "Das macht deutlich, dass es einen erheblichen Handlungsbedarf gibt", sagte Raschke der "FR". Der Studie zufolge kommen 91 Prozent derjenigen, die nur für kurze Zeit Schlaftabletten nehmen, schnell wieder von diesen los. Dagegen gelinge es abhängigen Patienten, die meist hohe Mengen verschrieben bekommen, nur zu vier Prozent.
Problematische Langzeiteinnahme
Ärzte wüssten dabei in der Regel um die problematische Langzeiteinnahme ihrer Patienten, etwa bei Valium und dessen Abkömmlingen, sagte Raschke. Entweder würden die Mediziner aber die typischen Veränderungen von Menschen mit Benzodiazepin-Langzeiteinnahme nicht richtig erkennen "oder sie nehmen diese billigend in Kauf und setzen deshalb die Verschreibung fort".
Noch düsterer sieht die Situation dem Bericht zufolge bei den 1991 eingeführten so genannten modernen Schlafmittel Zolpidem und Zopiclon aus, die derzeit die erfolgreichsten Präparate auf dem Markt seien. Gemäß den Leitlinien sollten sie in niedriger Dosierung und maximal vier Wochen lang eingesetzt werden. Bremer Sozialforscher um Professor Gerd Glaeske haben laut "FR" aber errechnet, dass der Anteil der Privatrezepte zwischen 1993 und 2007 drastisch anstieg. Die Verkaufszahlen für beide Schlafmittel verdreifachten sich demnach.
Schlaflosigkeit zählt zu den häufigsten Beschwerden, deretwegen Patienten einen Arzt aufsuchen. 45 Prozent der Bevölkerung sind laut "FR" gelegentlich oder dauernd betroffen, wobei die Schlaflosigkeit mit dem Alter zunehme.
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